Aktivität 1.4.3:

Trauerpraktiken

Überblick

Diese Aktivität besteht darin, lokale (auch traditionelle) Trauerpraktiken zu recherchieren, zu erkunden und ggf. anzuwenden, um mit der Trauer umzugehen, die mit den Auswirkungen des Klimawandels und der Umweltzerstörung einhergeht. Ziel ist es, Trauerpraktiken zu betrachten, mit denen sich die Verluste und Schäden in der mehr-als-menschlichen Welt betrauern lassen, die infolge des Klimawandels auftreten. Ebenso kann das Betrauern der Lebensentwürfe einbezogen werden, die Lernende gern gehabt hätten, die ihnen aber durch den Klimawandel und seine Folgen verwehrt erscheinen.

Lehrplanbezug

Sprache & Literatur, Geografie, Politische Bildung & Sozialkunde, Kunst

Aufgebaute Kompetenzen

Community-Building, Mitgefühl, Empathie, Denken in Verbundenheit, Präsenz, Selbstmitgefühl

Vorbereitung

  • Recherche lokaler traditioneller Trauerpraktiken
  • Recherche traditioneller Trauerpraktiken aus verschiedenen Weltregionen
  • Identifizierung von Orten in der Gemeinde, an denen traditionell getrauert wurde
  • Reflexion über kulturelle Sensibilität beim Umgang mit Trauer durch Kunst
  • Vorablektüre zu Klimatrauer 

Kompetenzen/Aktivitäten, die die Lehrperson zuerst üben sollte

Ebenen in der Aktivität 

  1. Kurze Erkundung mit jüngeren Lernenden (11–18)
  2. Gruppenprojekt (18+)

Level 1: Kurze Erkundung 

  1. Führen Sie in der ersten Sitzung Praktiken ein, die in Dorf/Stadt/Region in den vergangenen Jahrzehnten/Jahrhunderten traditionell zur Trauer um Verstorbene genutzt wurden. Dies kann das Trauern sowohl im menschlichen als auch im mehr-als-menschlichen Bereich einschließen. Dazu kann auch die Vorstellung von Orten gehören, an denen das Trauern stattfand.
  2. Geben Sie als Hausaufgabe auf, dass die Lernenden Ältere in ihrer Familie oder Gemeinschaft (z. B. Großeltern und geschätzte Senior*innen aus der Nachbarschaft) zu den Trauerpraktiken befragen, an denen sie teilgenommen haben oder die sie als Kinder miterlebten, und diese Geschichten schriftlich festhalten.
  3. Laden Sie in der zweiten Sitzung einige Lernende ein, die gesammelten Geschichten zu teilen, und lassen Sie die Gruppe über Gemeinsamkeiten und Unterschiede reflektieren.
  4. Bitten Sie die Lernenden, sich vorzustellen, wie Trauerrituale für von der ökologischen Krise betroffene mehr-als-menschliche Wesen aussehen könnten.  

Level 2: Gruppenprojekt 

  1. Bitten Sie die Lernendengruppen, Praktiken zu recherchieren, die in Dorf/Stadt/Region in den vergangenen Jahrzehnten/Jahrhunderten traditionell zur Trauer um Verstorbene genutzt wurden – sowohl im menschlichen als auch im mehr-als-menschlichen Bereich – einschließlich der Orte, an denen getrauert wurde.
  2. Diese Recherche kann Interviews mit verschiedenen Älteren ebenso umfassen wie Literaturrecherche oder die Sichtung alter Bildquellen (z. B. Fotos, Gemälde) zum Thema Trauern. In einigen Fällen können auch überlieferte Klagelieder oder Gesangspraxen einbezogen werden.
  3. Optional: Laden Sie die Lernenden ein, Trauerpraktiken aus anderen Regionen oder Weltgegenden zu recherchieren. Dazu kann auch ein Besuch in einem ethnologischen Museum gehören.
  4. Bitten Sie die Lernenden, über die verschiedenen Trauerpraktiken zu schreiben – einschließlich ihrer Geschichte, geografischen Verortung und Nachwirkungen. Lassen Sie sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Praktiken herausarbeiten.
  5. Ermutigen Sie die Lernenden, Literatur zu Ökotrauer zu erkunden sowie Praktiken, die für junge Menschen mit Ökotrauer entwickelt wurden, um Verluste und Schäden im Zusammenhang mit dem Klimawandel zu betrauern – mit Fokus auf die mehr-als-menschliche Welt.
  6. Bitten Sie die Lernenden, sich vorzustellen, wie Trauerrituale für mehr-als-menschliche Wesen aussehen könnten, die von der ökologischen Krise betroffen sind. Dies kann die Einbindung künstlerischer Mittel umfassen – z. B. das Schreiben von Geschichten, Zeichnen, Malen, Collagen, Performances oder Theaterstücke.
  7. Bitten Sie die Lernenden, sich vorzustellen, wie Trauerrituale für die Leben aussehen könnten, die sie gern führen würden, die ihnen aber durch den Klimawandel und seine Folgen unerreichbar erscheinen. Auch hier können künstlerische Mittel wie Geschichten, Zeichnungen, Malerei, Collagen, Performances oder Theaterstücke eingesetzt werden.
  8. Geben Sie Raum für eine gemeinsame Reflexion über das künstlerische Erleben und darüber, welchen Platz Trauer in der heutigen Gesellschaft hat.  

Was tun – was vermeiden?

Tun

  • Greifen Sie diese Aktivität auf, wenn in der Gruppe Klimatrauer geäußert wurde.
  • Laden Sie eine Vielfalt von Trauergeschichten ein. Wenn dafür Ältere aus dem familiären Umfeld in anderen Ländern kontaktiert werden müssen, sollte dies ausdrücklich unterstützt werden.
  • Schaffen Sie Raum für künstlerische Darstellung oder Visualisierung von Trauerpraktiken. 

Vermeiden

  • Führen Sie die am Ende von Level 2 genannten Trauerpraktiken (Schritte 6 und 7) nicht durch, ohne sicherzustellen, dass das Thema Klimatrauer bei den Lernenden tatsächlich Resonanz findet. Wenn in den vorangehenden Schritten kein Interesse erkennbar wurde, ist es möglicherweise nicht die passende Aktivität.
  • Veranlassen Sie Lernende nicht, sich auf Trauerpraktiken einzulassen – auch nicht über künstlerische Formen –, wenn sie das nicht möchten. 

Anpassungen

Wir laden Sie stets ein, diese Aktivität an die Bedürfnisse Ihrer Lernenden anzupassen, einschließlich unter Berücksichtigung ihrer Neurodiversität. Beim Anpassen von Tools und Aktivitäten für neurodivergente Lernende gilt: Es geht nicht darum, andere so zu behandeln, wie Sie behandelt werden möchten, sondern so, wie sie behandelt werden möchten. Fragen, zuhören und offen bleiben für unterschiedliche Wege des Lernens und der Beteiligung.  

Quellen

Die Aktivität wurde von One Resilient Earth entwickelt.

A learner sitting relaxed, looking away. They are sitting on a large tree branch that stretches out over water.

Allgemeine Informationen

  • Altersgruppe: 12+
  • Dauer: Ein oder zwei Unterrichtseinheiten (ca. 45-90 Minuten), Längere Projekte
  • Gruppengröße:

  • Schwierigkeitsgrad: Fortschrittlich

  • Material/Raum: Abhängig vom Umfang der Aktivität
  • Ort: Beliebig

  • Einbindung externer Stakeholder: Ja.