Aktivität 2.1.2:

Dankbarkeits-Journal

Überblick

Dankbarkeits-Journaling reguliert auf neurobiologischer Ebene das sympathische Nervensystem, das unsere Angstreaktionen aktiviert, und konditioniert auf psychologischer Ebene das Gehirn in Richtung positiverer Gedanken. Das Erkunden positiver Emotionen wie Dankbarkeit kann daher zur persönlichen Resilienz beitragen, da es in Stresszeiten als Ressource dient. Journaling eröffnet zudem einen inneren Dialog über neue, als erfüllender erlebte Lebensweisen. Schließlich fördert das Ausdrücken von Dankbarkeit die Zusammenarbeit zwischen Menschen.

Lehrplanbezug

Sprache & Literatur, Bewegung und Gesundheit

Aufgebaute Kompetenzen

Authentizität, Empathie, Präsenz, Selbstreflexion

Vorbereitung

  • Machen Sie vorab ein kurzes persönliches Brainstorming und notieren Sie Beispiele, wofür Sie dankbar sind. Einige davon können Sie in der Einführung teilen, um die Lernenden in der Übung zu unterstützen. Stellen Sie außerdem sicher, dass alle Lernenden Zugang zu einem Journal haben – digital am Computer oder als Heft/Buch.

Ebenen in der Aktivität 

  1. Im Unterricht ausprobieren
  2. Neue Gewohnheiten
  3. Follow-up

Level 1: Im Unterricht ausprobieren

  1. Laden Sie die Lernenden ein, zweimal tief durchzuatmen und die Schultern sanft zu lockern.
  2. Bitten Sie die Lernenden um ein kurzes persönliches Brainstorming zu großen oder kleinen Dingen, für die sie dankbar sind. Es ist möglich, einige Antworten an der Tafel/Whiteboard zu sammeln, damit andere sie sehen können.
  3. Lassen Sie die Lernenden anschließend in ihrem Journal kleine Momente, bedeutsame Gesten, kleine Erfolge und schöne Dinge in ihrem Leben notieren, für die sie aufrichtig dankbar sind. Nichts ist zu klein oder zu groß. Beispiele: die Wärme einer Tasse in der Hand, die Person, die sie heute in der Schule begrüßt hat, der Baum vor dem Fenster … Erinnern Sie bei Bedarf daran, auch sich selbst gegenüber Dankbarkeit zu zeigen.

Lernende schreiben in ihr Journal, während sie Zeit in der Natur verbringen. Foto by Carmelo Zamora, REAL School Budapest


Level 2: Neue Gewohnheiten

Lassen Sie die Lernenden diese Übung über einen Monat hinweg an mehreren Tagen pro Woche wiederholen. Falls Sie ein Fach unterrichten, in dem die Übung nur einmal pro Woche erfolgt, empfehlen wir, 2–3 Monate weiterzumachen. Mit der Zeit wächst die neue Gewohnheit, und die Liste jeder/jedes Einzelnen wird länger. Der Rückblick darauf, wie viel Dankbarkeit empfunden wurde, ist für sich genommen schon eine wichtige Erfahrung.     

Level 3: Follow-up

  • Besprechen Sie, wie die Lernenden die Übung erlebt haben und ob sie erwägen, das Dankbarkeits-Journaling fortzuführen. Sie können sie auch ermutigen, einer Person eine kurze Notiz zu schreiben, um ihre Dankbarkeit auszudrücken.

Was tun – was vermeiden?

Tun

  • Zu Schritt 2 in Level 1: Manchmal fällt Lernenden nichts ein. Dann kann es hilfreich sein, ein Gruppen-Brainstorming anzuregen oder mit der gesamten Gruppe offen zu sammeln. Das ist auch eine gute Anpassung für jüngere Lernende: Gemeinsames Brainstorming und das Festhalten der Ideen an der Tafel oder auf einem großen Blatt erleichtert die Themenwahl und den Einstieg ins Journaling.

Vermeiden

  • Üben Sie keinen Druck aus, das Aufgeschriebene zu teilen, und bewerten Sie die Beiträge nicht.

Anpassungen

Diese Aktivität kann auch zu Hause gemeinsam mit Eltern durchgeführt werden, um Raum für Austausch, gegenseitiges Verständnis und Dankbarkeit im Alltag zu schaffen.

Wir laden Sie stets ein, diese Aktivität an die Bedürfnisse Ihrer Lernenden anzupassen, einschließlich unter Berücksichtigung ihrer Neurodiversität. Beim Anpassen von Tools und Aktivitäten für neurodivergente Lernende gilt: Es geht nicht darum, andere so zu behandeln, wie Sie behandelt werden möchten, sondern so, wie sie behandelt werden möchten. Fragen, zuhören und offen bleiben für unterschiedliche Wege des Lernens und der Beteiligung.  

References

Dankbarkeits-Journaling gibt es in vielen Formen und es wird in unterschiedlichen Kontexten breit praktiziert. Diese spezifische Version der Aktivität wurde von Legacy17 für das CLARITY-Projekt entwickelt und greift auf eine reichhaltige Tradition bestehender Ansätze zurück. Wir würdigen die vielen verfügbaren Varianten und erheben keinen Anspruch, die Praxis erfunden zu haben.

  • Erfahren Sie mehr über das Gratitude Journal bei Greater Good in Education, einem kostenlosen Ressourcen-Hub für Lehrende des Greater Good Science Center der UC Berkeley:
  • Mehr zum Einsatz von Dankbarkeits-Journaling mit Eltern:
    • Toprak, B., & Sarı, T. (2023). The effects of a 2-week gratitude journalling intervention to reduce parental stress and enhance well-being: a pilot study among preschool parents. Discover Psychology, 3(1). https://doi.org/10.1007/s44202-023-00099-x 
  • Kognitive Vorteile und Unterstützung durch diese Journaling-Aktivität tragen zu einem positiveren kognitiven Stil bei, der Stress reduzieren kann:
    • Fekete, E. M., & Deichert, N. T. (2022). A brief gratitude writing intervention decreased stress and negative affect during the COVID-19 pandemic. Journal of Happiness Studies, 23(6), 2427–2448. https://doi.org/10.1007/s10902-022-00505-6 

Zum Ausdrucken bei Bedarf

Ein Beispiel für eine Liste im Dankbarkeits-Journal.

Ich bin dankbar für …Ich bin dankbar gegenüber …

Allgemeine Informationen

  • Altersgruppe: 6+
  • Dauer: Kurz (weniger als 45 Minuten)
  • Gruppengröße:

  • Schwierigkeitsgrad: Grundlegend, Medium

  • Material/Raum: Persönliches Journal; Stifte für alle Lernenden (bei Durchführung im Klassenraum); oder ein eigener Bereich an Tablets/Computern, um persönliche Listen zu speichern
  • Ort: Beliebig

  • Einbindung externer Stakeholder: Nicht zwingend.