Aktivität 5.4.4:

Das Dilemma-Spiel

Überblick

Bei Debatten über Klimaschutz stoßen wir häufig auf Dilemmata: Es stehen nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung, um angestrebte Ziele zu erreichen, und jede Option hat weitreichende Folgen. In diesem Klassenspiel setzen sich die Lernenden mit einem solchen Dilemma auseinander, indem sie Prioritäten bestimmen – sie treffen eine Entscheidung zugunsten eines Ziels und erfüllen dabei möglicherweise ein anderes nicht. In manchen Fällen ist ein Kompromiss möglich, in anderen nicht. Dieses Dilemma-Spiel bietet Lernenden die Gelegenheit, Perspektivwechsel im Kontext kooperativer Kommunikation und des Zuhörens zu üben.

Lehrplanbezug

Sprache & Literatur, Naturwissenschaften, Politische Bildung & Sozialkunde

Aufgebaute Kompetenzen

Verantwortungsübernahme, Fürsorge, Zusammenarbeit, Mut, Kritisches Denken, Demut, Perspektivwechsel, Systemdenken

Vorbereitung

  • Überlegen Sie, wie Sie das Spieldiagramm (siehe unten) im Klassenraum präsentieren. Möglich ist z. B. das Zeichnen auf ein Whiteboard/eine Tafel, die Darstellung in einer PowerPoint-Präsentation oder auf einem großen Bogen Papier. Falls gewünscht, können Sie das Diagramm zusätzlich für die Gruppenarbeit ausdrucken.

Kompetenzen/Aktivitäten, die die Lehrperson zuerst üben sollte:

Ebenen in der Aktivität

  1. Im Klassenraum erproben
  2. Ein Dilemma in der eigenen lokalen Gemeinschaft finden

Level 1: Im Klassenraum erproben

  1. Führen Sie in das Konzept „Dilemma“ ein: Ein Dilemma ist eine Situation mit zwei oder mehr Alternativen, in der eine Entscheidung getroffen werden muss. Dilemmata treten im Alltag immer dann auf, wenn individuelle oder kollektive Entscheidungen anstehen. Bitten Sie die Lernenden nun, über Situationen nachzudenken, in denen sie sich zuletzt in einem Dilemma befanden: „Mit welcher/m Dilemma/Dilemmata warst du kürzlich konfrontiert?“ Geben Sie Zeit für Antworten und Austausch. Sie können die Beiträge sichtbar machen, z. B. auf dem Whiteboard.
  2. Erläutern Sie anschließend, dass bei einem Dilemma gilt:
    1. Häufig stehen Prinzipien, Werte und Ziele, die uns wichtig sind, miteinander in Konflikt.
    2. Jede Option hat Konsequenzen: erwünschte positive und unerwünschte negative – an die man teils gar nicht gedacht hat. Wenn Sie Entscheidungsträger*in wären, würden Sie mögliche Folgen u. a. in folgenden Bereichen betrachten:
      1. moralische und religiöse Pflichten
      2. Rechte und Verpflichtungen
      3. Gefahr psychischer oder physischer Traumata
      4. Achtung der Menschenrechte
      5. finanzielle Ressourcen
      6. praktische Gründe
    3. Wenn Sie nicht Entscheidungsträgerin sind, nehmen Sie Optionen und Konsequenzen möglicherweise ganz anders wahr.
    4. Politische Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel führen häufig zu Dilemmata, und jede Wahl hat weitreichende Folgen. Eine Entscheidung zugunsten einer Option statt einer anderen muss auf einer Prioritätensetzung beruhen.
  3. Teilen Sie die Lernenden in Gruppen von 4–6 Personen ein. Stellen Sie dann das Spiel wie folgt vor:
    1.  Stellen Sie sich vor, jede Gruppe ist ein Expertinnengremium, das von der/dem Minister*in für Umweltschutz Ihres Landes beauftragt wurde, die Auswirkungen des Klimawandels zu antizipieren und darauf vorzubereiten. Mehrere Handlungsoptionen stehen zur Diskussion – und jede Gruppe kann auch eine eigene neue Idee einbringen. Da Ihnen jedoch nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung stehen, stehen Sie vor einem Dilemma: Welche dieser Optionen wählen Sie?
    2. Überlegen Sie: Welche Optionen halten Sie für am wirksamsten? Welche hätten gravierende Folgen, wenn man sie ignoriert? Im Spiel gibt es keine richtigen oder falschen Antworten – es gibt die Optionen und Ihre Entscheidungen zwischen ihnen. Die Optionen sind:
      • In allen Schulen und Hochschulen über die Auswirkungen des Klimawandels sowie über Klimaanpassung und Resilienz lehren
      • Massiv in schützende städtische Infrastruktur investieren (z. B. Küstenschutzmauern oder Deiche an Flüssen) und weitere bestehende Infrastruktur gegen Überflutungen klimafest machen
      • Die Grünflächen und die Zahl der Bäume erhöhen, u. a. durch das Entfernen von Pflasterflächen, um den Hitzeinseleffekt in Städten zu reduzieren
      • Verpflichtend vorschreiben, alle Dächer weiß zu streichen und auch Straßen weiß zu streichen
      • Sonstiges – eigene Option (optional)
  4. Erklären Sie den Aufbau des Spiels:
    1. Präsentieren Sie das untenstehende Diagramm als Referenz – z. B. auf dem Whiteboard als übergreifendes „Master“-Diagramm. Falls gewünscht, können Sie es zusätzlich an die Gruppen ausgeben. Jede Gruppe verfügt über 7 Investitionspunkte, die sie auf die verschiedenen Optionen verteilt. Optionen mit höherer Priorität erhalten mehr Punkte. Es ist möglich, alle sieben Punkte einer Option zuzuweisen oder die Punkte auf mehrere Optionen aufzuteilen.
    2. Ermutigen Sie die Lernenden, gemeinsam abzuwägen, nach welchen Kriterien sie die einzelnen Optionen priorisieren. 
  5. Ergebnisse sammeln und teilen
    •  Nachdem die Gruppen ihre Punkteverteilung festgelegt haben, lädt jede Gruppe ihre Entscheidung vor der Klasse vor und trägt ihre Punkte in das „Master“-Diagramm ein.
    •  Wenn die gesamte Klasse ihre Punkte vergeben hat, führen Sie eine gemeinsame Diskussion und reflektieren Sie die getroffenen Entscheidungen.
  6. Ermutigen Sie die Lernenden, über das Ergebnis nachzudenken.
PunkteOptionenArgumente notieren
In allen Schulen und Hochschulen über die Auswirkungen des Klimawandels sowie über Klimaanpassung und Resilienz lehren
Massiv in schützende städtische Infrastruktur investieren (z. B. Küstenschutzmauern oder Deiche an Flüssen) und weitere bestehende Infrastruktur gegen Überflutungen klimafest machen
Grünflächen und Baumbestand erhöhen, u. a. durch Entfernen von Pflaster, um Hitzeinseln in Städten zu reduzieren
Verpflichtend alle Dächer weiß streichen und auch Straßen weiß streichen
Sonstiges – eigene Option (optional)

Level 2: Ein Dilemma in der eigenen lokalen Gemeinschaft finden

  1. Fragen Sie die Lernenden: Welche Dilemmata gibt es in eurer Gemeinschaft? Lassen sich Dilemmata in Bezug auf Klimaresilienz in eurem lokalen Umfeld identifizieren?
  2. Laden Sie die Lernenden ein, das Dilemma-Spiel anhand dieser Dilemmata zu spielen – idealerweise zu einem Dilemma, das sich in eine Aufgabe übersetzen lässt, zu der die Gruppe/Klasse aktiv werden kann.

Was tun – was vermeiden?

Tun

  • Ermutigen Sie die Lernenden zu Selbstreflexion während der Diskussionen.
  • Achten Sie darauf, dass Diskussion und Debatte nicht in Wettbewerb oder Streit umschlagen.

Vermeiden

  • Vermeiden Sie, Lernende zum Schweigen zu bringen oder sie davon abzuhalten, eigene Sichtweisen und Lösungen zu äußern. 

Anpassungen

Wenn Ihre Lernenden Schwierigkeiten haben zu verstehen, was zu tun ist, hilft es, die Aktivität vor der Klasse einmal vorzumachen.

Wir laden Sie stets ein, diese Aktivität an die Bedürfnisse Ihrer Lernenden anzupassen, einschließlich unter Berücksichtigung ihrer Neurodiversität. Beim Anpassen von Tools und Aktivitäten für neurodivergente Lernende gilt: Es geht nicht darum, andere so zu behandeln, wie Sie behandelt werden möchten, sondern so, wie sie behandelt werden möchten. Fragen, zuhören und offen bleiben für unterschiedliche Wege des Lernens und der Beteiligung.  

Quellen

Dieses Tool basiert auf einem Instrument, das ursprünglich im Green Package Project der OSZE in der Ukraine entwickelt und von Legacy17 angepasst wurde.

Allgemeine Informationen

  • Altersgruppe: 12+
  • Dauer: Ein oder zwei Unterrichtseinheiten (ca. 45-90 Minuten)
  • Gruppengröße:

  • Schwierigkeitsgrad: Medium

  • Material/Raum: Whiteboard o. Ä., Marker o. Ä., Papier (optional).
  • Ort: Drinnen

  • Einbindung externer Stakeholder: Nicht zwingend.