Überblick

Die folgenden Formulierungen sollen Lehrende dabei unterstützen, Lernende aufzufangen – sowohl bei individueller emotionaler Dysregulation als auch, wenn eine Lerngruppe gemeinsam von potenziell traumatisierenden Auswirkungen des Klimawandels betroffen ist. Sie ersetzen nicht die eigene Selbstregulation vor einer Krisensituation. Setzen Sie sie erst dann ein, wenn Ihr eigenes Nervensystem möglichst gut reguliert ist – so entfalten sie die größte positive Wirkung auf einzelne Lernende oder die ganze Gruppe.

Lehrplanbezug

Fächerübergreifende & Globale Kompetenzen Die Formulierungen können in jedem Fach genutzt werden, in dem Emotionen eine Rolle spielen.

Aufgebaute Kompetenzen

Emotionsregulation, Innerer Kompass, Selbstreflexion, Traumasensible Führung

Vorbereitung

  • Lesen Sie die Abschnitte des Leitfadens für Lehrende zu Klimaemotionen und Klimatraumata und schaffen Sie eine Kultur von Sicherheit und Fürsorge – einschließlich eines Unterstützungsnetzes, das nötig ist, um für das emotionale Wohlbefinden Ihrer Lernenden sorgen zu können. 

Kompetenzen/Aktivitäten, die die Lehrperson zuerst üben sollte

Situations in the activity

  1. Unterstützung einer/eines Lernenden bei Dysregulation
  2. Unterstützung einer ganzen Lerngruppe nach Klimaauswirkungen und potenziell traumatischen Ereignissen

Situation 1: Unterstützung einer/eines Lernenden bei Dysregulation

Diese Formulierungen und Schritte dienen der Unterstützung einer/eines Lernenden, deren/dessen Nervensystem dysreguliert ist – ausgelöst durch überwältigenden Stress oder Traumata.

  1. Vor einer Aktivität mit starken emotionalen Reaktionen: Benennen Sie, dass das Lernen über den Klimawandel viele Gefühle auslösen kann – und dass diese normal sind. Weinen ist eine angemessene Reaktion; manche Lernende drücken Gefühle stärker und auf unterschiedliche Weise aus als andere.
  2. Trauma verstehen: Ein Trauma ist ein einmaliges oder andauerndes Erleben von Unsicherheit/Bedrohung ohne Unterstützung, verbunden mit Hilflosigkeit. Ein Teil des Nervensystems „friert“ in dieser Erfahrung ein; der Körper speichert sie als „festsitzende“ Erinnerung. Bei einem Auslöser wird die betroffene Person in den damaligen Überlebenszustand zurückkatapultiert. In diesem veränderten Zustand hat die/der Lernende keine Wahl, wie sie/er sich verhält. Bestrafen, tadeln oder abtun ist fehl am Platz.
  3. Tempo herausnehmen: Verlangsamen Sie alles und nehmen Sie sich einen Moment, ganz bei der/dem Lernenden zu sein.
  4. In die Gegenwart begleiten – in warmem Ton: „Es ist okay. Ich bin da. Ich bin hier bei dir. Du bist gerade in großer Not. Das ist okay. Wir wissen das – und ich kann dir helfen.“ Denken Sie daran: Ihre Stimme und Präsenz co-regulieren das Nervensystem der/des Lernenden. Ein scharfer Ton oder etwas, das wie ein Tadel klingt, erhöht den Stress. Regulieren Sie sich daher – ggf. mit 1.1.2 – bevor Sie sprechen.
  5. Sinneswahrnehmung anstoßen und Autonomie wahren:
    1. Einladung zum langsamen Atmen – nur wenn gewünscht. Es geht nicht um tiefes Atmen. „Ich bin bei dir. Ich atme. Wenn du möchtest, kannst du mit mir atmen. Ich atme einfach langsam.“
    2. Wasser anbieten – kann erden und vermittelt Fürsorge. 
  1.  Wahlmöglichkeiten geben (einfache Ja/Nein-Fragen): „Ist es für dich in Ordnung, wenn wir hier kurz bleiben?“„Möchtest du, dass deine/dein Freund/Freundin X sich zu dir setzt?“ „Ist es okay für dich, wenn wir kurz nach draußen gehen, damit du frische Luft bekommst?“ Offenere Fragen wie „Was brauchst du jetzt?“ sind oft zu anspruchsvoll.
  2. Nachfassen: Melden Sie sich in den nächsten Tagen oder beim nächsten Wiedersehen erneut bei der/dem Lernenden.

Situation 2: Unterstützung einer ganzen Lerngruppe nach Klimaauswirkungen und potenziell traumatischen Ereignissen

Diese Formulierungen und Schritte dienen der Unterstützung einer Lerngruppe, die extreme, mit dem Klimawandel verbundene Ereignisse erlebt hat (z. B. Hochwasser, Waldbrände) – mit ganz unterschiedlichen Folgen für die einzelnen Personen. 

  1. Nehmen Sie an einer kurzfristig einberufenen Dienstbesprechung teil bzw. helfen Sie, sie zu organisieren, um zu klären, wie Lehr- und weiteres Schulpersonal sowie das Schulgelände von den Ereignissen betroffen sind – und welche Bereitschaft und Kapazitäten die Schule hat, die Wiederaufbau- und Unterstützungsarbeit in der Gemeinde insgesamt mitzutragen. Stellen Sie sicher, dass es einen Plan gibt, für Lehrende und weiteres Personal zu sorgen – auch emotional, sofern sie sich am Wiederaufbau beteiligen, und dass eigene Verluste durch das Extremereignis anerkannt werden.
  2. Nutzen Sie die erste Gelegenheit, das Extremereignis mit Ihren Lernenden zu besprechen. Falls nicht alle gleichermaßen betroffen sind, könnte ein möglicher Einstieg so klingen:
    „Wow, diese Überschwemmung war heftig! Und sie hat alle in unserer Gemeinschaft auf unterschiedliche Weise getroffen. Dieses Klassenzimmer bildet diese Gemeinschaft ab. Manche von euch haben sehr viel verloren, sind sehr ängstlich und verunsichert und stark betroffen. Andere hatten vielleicht Spaß daran, durch die großen Pfützen zu stapfen. Weil uns hier das Miteinander wichtig ist, nehmen wir uns einen Moment und anerkennen, dass wir an unterschiedlichen Punkten stehen. Wenn es dir gerade gut geht, denk bitte daran, dass es anderen nicht so geht. Was können wir tun? Lasst uns gemeinsam überlegen: Wie können wir uns als Klasse gegenseitig unterstützen in dem, was hier passiert?“
  3. Lockern Sie vorübergehend Anwesenheits- und Hausaufgabenregelungen, damit Lernende dort sein können, wo sie gerade gebraucht werden, um ihren Angehörigen beim Wiederaufbau zu helfen. Die Schule kann gemeinsam mit Lernenden eine Sammelstelle für Kleidung, Lebensmittel und Wasser einrichten, um Betroffene zu unterstützen.
  4. Richten Sie – sofern Ressourcen vorhanden sind – einen sicheren Raum in der Schule/Organisation ein für Lernende, die am stärksten betroffen sind, damit sie angemessene emotionale Unterstützung erhalten. Diese kann durch eine Vertrauensperson an der Schule, die schulpsychologische Beratung, das pädagogische/sozialpädagogische Betreuungsteam (z. B. Schulseelsorge) oder auch durch die Fachkraft für sonderpädagogische Förderung erfolgen, sofern die entsprechende Qualifikation vorhanden ist. Gibt es keine interne Unterstützung, wenden Sie sich an die örtlichen Katastrophenschutz-/Kommunalbehörden und erkundigen Sie sich nach einem psychologischen Einsatzdienst, der an die Schule entsandt werden kann. Der sichere Raum sollte in den kommenden Tagen ganztägig besetzt und zugänglich sein. So erhalten Lernende die Unterstützung, die sie brauchen, um danach wieder voll ins Lernen einsteigen zu können.
  5. Bedenken Sie: Wenn ein Tag oder auch eine Woche für praktische und emotionale Bedürfnisse nach einem Extremwetterereignis freigeräumt wird, kommen Lernende schneller wieder in ihre Handlungs- und Lernfähigkeit. Den Prüfungsdruck in einer lokalen Krisensituation zu erhöhen, funktioniert nicht. Fühlen sich Kinder und Lernende sicher und wichtig, und wird auf ihre mentalen Gesundheitsbedürfnisse geachtet, steigen ihre Lern- und Leistungsfähigkeit deutlich.  

Was tun – was vermeiden?

Tun

  • Bitte denken Sie daran, dass jemand, dessen Trauma ausgelöst wurde, in seiner Autonomie respektiert werden muss.  

Vermeiden

  • Tun Sie nicht so, als hätte ein extremes Ereignis nicht stattgefunden oder als ob die Bewältigung seiner Auswirkungen nicht in der Verantwortung der Schule läge, da dies negative Auswirkungen auf das emotionale und psychische Wohlbefinden der Lernenden sowie auf ihre schulischen Leistungen haben wird.

Anpassungen

Wir laden Sie stets ein, diese Aktivität an die Bedürfnisse Ihrer Lernenden anzupassen, einschließlich unter Berücksichtigung ihrer Neurodiversität. Beim Anpassen von Tools und Aktivitäten für neurodivergente Lernende gilt: Es geht nicht darum, andere so zu behandeln, wie Sie behandelt werden möchten, sondern so, wie sie behandelt werden möchten. Fragen, zuhören und offen bleiben für unterschiedliche Wege des Lernens und der Beteiligung.

Quellen

Diese Aktivitätskarte wurde unter der Leitung von Jo McAndrews von der Climate Psychology Alliance in Zusammenarbeit mit One Resilient Earth entwickelt.

Allgemeine Informationen

  • Altersgruppe: 6+
  • Dauer: Kurz (weniger als 45 Minuten)
  • Gruppengröße:

  • Schwierigkeitsgrad: Grundlegend

  • Material/Raum:
  • Ort: Beliebig

  • Einbindung externer Stakeholder: Nicht zwingend.