Vorbereitung
- Recherchieren Sie Beispiele für transformativen Wandel, der sich historisch in Ihrem lokalen Kontext ereignet hat.
- Suchen Sie Presseartikel über Kinder und Jugendliche, die sich wegen des Klimawandels sorgen, und wählen Sie einen lokalen Fall aus.
Schritte in dieser Aktivität
- Aufwärmen fürs Storytelling
- Einführung in die Haupterzählung
- Zeitreise
- Storytelling
- Ein Buch erstellen (optional, wenn Zeit ist)
Schritt 1: Aufwärmen für das Storytelling
(5-10 Min)
Variante für jüngere Lernende: Fragen Sie die Lernenden nach ihrem Lieblingsessen und lassen Sie es so beschreiben, als hätten sie Supersinne (Geschmack, Geruch, …).
Variante für ältere Lernende: Führen Sie das Impro-Spiel „Ein Wort nach dem anderen“ ein. Dieses einfache, unterhaltsame Aufwärmspiel macht Lernende mit Improvisation vertraut. Die Gruppe erfindet eine Geschichte Wort für Wort. Wörter werden laut vorgeschlagen – ohne Aufzeigen. Sprechen mehrere gleichzeitig, kann die Gruppe abstimmen, welches Wort bleibt. Das Spiel endet, wenn die Geschichte natürlich zu einem Abschluss kommt; die Person, die das erste Wort sagte, spricht auch das letzte. Das Spiel funktioniert in großen Gruppen besonders gut: Je mehr Erzähler:innen, desto verrückter die Geschichte.
Schritt 2: Einführung in die Haupterzählung
(5-10 Min)
Variante für jüngere Lernende: Stellen Sie die Figur einer gleichaltrigen jungen Person vor, die sich Sorgen um die Zukunft macht (nennen wir ihn „Ron“). Das kann eine frei erfundene Figur oder eine reale Person aus einem Artikel sein (nicht jemand, den/die die Lernenden persönlich kennen). Stellen Sie Ron empathisch vor:
- Sie verstehen, warum er besorgt ist.
- Sie nehmen seine Sorgen ernst.
Machen Sie deutlich, dass Ron dringend Hilfe braucht, Zukünfte zu imaginieren, für die er Begeisterung empfinden kann. Begeistern Sie die Lernenden dafür, Ron zu helfen, und fragen Sie dann, ob sie helfen möchten. Ermutigen Sie sie, ihren Wunsch zu helfen laut zu äußern!
Variante für ältere Lernende: Erklären Sie, dass das Improvisieren von Zukunftsgeschichten uns hilft, radikal andere Zukünfte auf spielerische Weise zu erdenken. Gemeinsame Freude und Kreativität sind wichtig, um die Zukunft, die wir wollen, mitzugestalten.
Schritt 3: Zeitreise
(30 Min)
- Erklären Sie, dass Sie gemeinsam auf Zeitreise gehen, um die Welt in 1000 Jahren zu erkunden – und danach anderen Menschen in Form eines Buchs mit Zukunftsgeschichten davon zu erzählen.
- Variante für jüngere Lernende: Zur Vorbereitung fragen Sie: Wie lang sind 1000 Jahre? Beispiele:
- Wie viele Tage hat ein Jahr? Wie viele Tage 10, 100 und 1000 Jahre? (Antwort: etwa 365 000.)
- Wie alt waren ihre Eltern bei ihrer Geburt? Wie viele Generationen leben in 1000 Jahren? (1000 : 25 = 40 – d. h. ihre Ur-(sagen Sie es 38-mal!)-Enkel:innen könnten in 1000 Jahren aufwachsen.)
- Verdeutlichen Sie, wie viel sich in 1000 Jahren ändern kann. Bitten Sie um Beispiele großer Veränderungen in den letzten 1000 Jahren im lokalen Kontext und/oder nennen Sie Beispiele für evolutionären und historischen Wandel:
- Evolutionärer Wandel (langsam): Braunbär und Eisbär trennten sich vor ca. 500 000 Jahren; der Eisbär brauchte etwa 20 500 Generationen, um sich an arktische Lebensbedingungen anzupassen.
- Epigenetik (schnell): Erwärmt sich das Meer, schlüpfen Fischeier schneller. Dorscheier brauchen bei 6 °C etwa 16 Tage; bei 10 °C schlüpfen die Larven bereits nach 9 Tagen (entspräche beim Menschen etwa 5 Schwangerschaftsmonaten). Das beeinflusst die Genexpression innerhalb einer Generation.
- Historischer Wandel: Um 1020 fuhren Wikinger zur See und lebten mit Nutztieren in Langhäusern. 1024 wurde in Norwegen die Kirche etabliert und die frühere Naturreligion verboten – rund 200 Jahre nach den ersten Spuren des Christentums in Norwegen.
- Sozialer Wandel: In Norwegen dauerte der Kampf um das Frauenwahlrecht rund 30 Jahre; 1913 durften Frauen schließlich wählen.
- Fazit: In 1000 Jahren könnten Religionen ganz anders aussehen, neue Akteur:innen Teil unserer Demokratie sein, Menschen Supersinne besitzen und andere „verrückte“ Mutationen/epigenetische Veränderungen auftreten.
- Legen Sie die Regel fest: In 1000 Jahren ist zunächst alles möglich.
- Geben Sie den Lernenden die Gelegenheit, in die Zukunft zu „reisen“: Augen schließen, sich die Welt in 1000 Jahren vorstellen. Können sie sie sehen? Sobald ja: „Ihr seid da.“ Augen öffnen. Beschreiben Sie die Erdlinge (jede Art auf der Erde ist möglich) und wie sie leben. Stellen Sie sich Supersinne vor und beschreiben Sie, wie die Zukunft aussieht, riecht, klingt und sich anfühlt.
Schritt 4: Storytelling
(45 Min)
- Spielregeln festlegen, bevor die Gruppe ihre Hauptfiguren bestimmt. Diese sollen:
- ein Team aus einem Menschen und einem nicht-menschlichen Wesen sein;
- originell sein (nicht Harry Potter oder eine TikTok-Persönlichkeit);
- nicht getötet werden;
- keiner unnötigen Gewalt ausgesetzt sein bzw. andere nicht ihr aussetzen.
- Hauptfiguren festlegen. Fragen Sie: Wer sind sie? Helfen Sie durch konkrete Rückfragen (Wie sehen sie aus? Wie alt? Wie heißen sie? Woher kennen sie sich?). Nutzen Sie Ideen aus Schritt 2, falls es stockt. Fassen Sie die Vorschläge zu „Frankenstein-Figuren“ zusammen. Legen Sie außerdem fest:
- Stärken und Schwächen der Figuren
- ihre „geheime Waffe“
- ihre Werte
- ihr Ziel
- Visualisieren Sie die Figuren: Eine Illustratorin/ein Illustrator (Lehrperson oder Lernende:r) zeichnet die Figuren groß auf Tafel/Plakat, während sie entstehen.
- Optional: Werden Sie zu den Figuren. Alle stehen auf, Augen zu, Szene vorstellen, Pose einer Figur einnehmen. Augen auf – umschauen.
- Starten Sie die Geschichte gemeinsam. Die Hauptfiguren begeben sich auf Mission, ihr Ziel zu erreichen. Die erzählende Person (Lehrperson oder eingeladene:r Schauspieler:in) fragt: „Was tun die Figuren?“, „Was sagte sie dann?“ usw. Eine schreibende Person (Lehrperson/Freiwillige:r) tippt mit; der Text wird live auf einer großen Leinwand angezeigt. Bald stehen die Figuren vor einer Entscheidung. Legen Sie zwei Alternativen fest – basierend auf den Werten der Figuren. Teilen Sie die Lernenden in zwei Gruppen (oder mehr) und geben Sie jeder ihre Alternative zum Weitererzählen. Die Geschichte verzweigt sich nun in zwei (oder mehr) Stränge.
- Weitererzählen in Kleingruppen: Die Lernenden übernehmen die Geschichte und dürfen wild werden. Eine erzählende Person unterstützt die Narration und schreibt in der Gruppe am Computer mit.
- Individuelles Ende: Erinnern Sie an die Mission der Figuren. Erfüllen sie sie – und wie? Die Lernenden schreiben und/oder zeichnen ihr eigenes Ende einzeln auf Papier, unterschreiben und geben es ab.
Step 5: Make a book
- Fassen Sie die Geschichten zu einem Buch zusammen – physisch oder digital (wenn nach dem Unterricht Zeit bleibt).
- Optional: Als Hausaufgabe können Lernende das Buch jemandem zu Hause vorlesen.
Was tun – was vermeiden?
Tun
- Denken Sie daran: In dieser Zukunft ist alles möglich! Das ist die Hauptregel. Für viele Lernende – besonders jüngere – ist das leicht. Für Lehrende, die an realistische Szenarien gewöhnt sind, kann es herausfordernd sein.
- Nehmen Sie eine „Ja, und …“-Haltung ein. Begeistern Sie sich für jede Idee, um Kreativität zu fördern und Stolz sowie Selbstvertrauen zu stärken.
- Wenn ein Vorschlag gegen Regeln verstößt, fragen Sie die Gruppe neugierig und ohne Urteil: „Passt das zu unseren Regeln?“ statt „Nein“.
Anpassungen
Manchen fällt es schwer, sich die Welt in 1000 Jahren vorzustellen. Passen Sie den Zeitraum an – z. B. auf 100 Jahre oder eine Spanne, die besser passt.
Das Buch kann in ein Theatermanuskript umgewandelt werden. Die Aktivität lässt sich als Impro-Theater wiederholen, bei dem Lernende die Geschichte spielen statt erzählen.
Wir laden Sie stets ein, diese Aktivität an die Bedürfnisse Ihrer Lernenden anzupassen, einschließlich unter Berücksichtigung ihrer Neurodiversität. Beim Anpassen von Tools und Aktivitäten für neurodivergente Lernende gilt: Es geht nicht darum, andere so zu behandeln, wie Sie behandelt werden möchten, sondern so, wie sie behandelt werden möchten. Fragen, zuhören und offen bleiben für unterschiedliche Wege des Lernens und der Beteiligung.
Quellen
Dieses Tool ist eine von Climate Creativity adaptierte theaterbasierte Umsetzung des 826-Modells, praktiziert vom Projekt Saga skriveliga am Sølvberget Library and Culture Centre in Stavanger, Norwegen.

