Aktivität 1.4.1:

Klima-Kreise/Klima-Cafés

Überblick

Ein Klima-Kreis bzw. Klima-Café bietet Menschen die Möglichkeit, in einem möglichst sicheren Rahmen – auf Basis gemeinsam getroffener Vereinbarungen – die Emotionen zu teilen, die sie im Zusammenhang mit dem Klimawandel empfinden. Die hier beschriebene Methode dient ausschließlich dazu, Klimaemotionen zu fühlen sowie offenes Teilen und tiefes Zuhören zu praktizieren. Es geht nicht darum, Lösungen für die Klimakrise und ihre Auswirkungen zu diskutieren. Lernende profitieren besonders, wenn sie regelmäßig an Klima-Kreisen teilnehmen. Zudem können sie Schulungen besuchen, um selbst von Jugendlichen geleitete Klima-Kreise zu moderieren.

Lehrplanbezug

Fächerübergreifende & Globale Kompetenzen Jedes Fach bzw. jede Unterrichtssituation, in der der Klimawandel thematisiert wird. Am wirksamsten ist diese Aktivität, wenn sie regelmäßig für Lernende angeboten wird, die das Bedürfnis haben, über ihre Klimaemotionen zu sprechen und/oder ihr emotionales und mentales Wohlbefinden auf- bzw. ausbauen möchten. So kann sie fach- und projektübergreifend Lernen und Handeln zum Klimawandel unterstützen.

Aufgebaute Kompetenzen

Mitgefühl, Emotionale Kompetenz, Emotionsregulation, Selbstmitgefühl

Vorbereitung

Kompetenzen/Aktivitäten, die die Lehrperson zuerst üben sollte

Schritte in dieser Aktivität

  1. Im Unterricht ausprobieren
    • Einführung in die Prinzipien der Klima-Kreise
    • Den Klima-Kreis durchführen
    • Reflexionen zur Erfahrung im Klima-Kreis einholen 
  2. Neue Gewohnheiten

Level 1: Im Unterricht ausprobieren

Schritt 1: Einführung in die Prinzipien der Klima-Kreise 

  1. Erklären Sie, dass manche diese Aktivität als „Klima-Café“ kennen, und dass Sie die Prinzipien vorstellen, die wir in diesem Rahmen befolgen, um ihn so sicher wie möglich zu gestalten.
  2. Informieren Sie die Lernenden, dass diese Aktivität eine Einladung ist, Klimaemotionen in einer Gruppe auszudrücken, und dass sie sich entscheiden können, nicht teilzunehmen.
  3. Halten Sie Zeichen- oder anderes Material bereit, falls Teilnehmende ihre Emotionen lieber zeichnerisch oder körperlich darstellen möchten, statt darüber zu sprechen.
  4. Erläutern Sie die drei Grundprinzipien des Klima-Kreises: (1) offenes Teilen, (2) tiefes Zuhören und (3) Vertraulichkeit.
  5. Erklären Sie, dass offenes Teilen bedeutet, dass Lernende alle Emotionen, die sie im Zusammenhang mit dem Klimawandel fühlen, mitteilen dürfen. Weisen Sie darauf hin, dass es keine „richtigen“ oder „falschen“, „guten“ oder „schlechten“ Emotionen gibt. Lernende dürfen ohne Unterbrechung sprechen (unter Rücksichtnahme auf die anderen Anwesenden) – oder auch gar nicht sprechen. Ebenso können sie ihre Emotionen durch Zeichnungen, Skulpturen, Assemblagen oder andere Kunstformen teilen. Sie können auch einfach nur zuhören. Wenn eine lernende Person mit dem Teilen fertig ist, nennt sie den Namen einer weiteren lernenden Person, damit diese die Gelegenheit erhält zu sprechen.
  6. Erklären Sie, dass tiefes Zuhören in dieser Übung bedeutet, der sprechenden Person ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken, zu bemerken, wenn die Gedanken abschweifen, und dann bewusst zum tiefen Zuhören zurückzukehren. Tiefes Zuhören schließt auch Achtsamkeit für das eigene Körpererleben während des Zuhörens ein sowie das Anwenden von Atemübungen oder anderen Bewegungen, um präsent zu bleiben, ohne sich überwältigt zu fühlen. Weitere Informationen zu „Tiefem Zuhören“ finden Sie in Aktivitätskarte 2.1.2.
  7. Erklären Sie, dass Klima-Kreise vertrauliche Räume sind und dass sich alle Teilnehmenden verpflichten, die gehörten Inhalte vertraulich zu behandeln.
  8. Teilen Sie den Lernenden mit, dass sie nacheinander sprechen und kein (moderiertes) Gespräch führen werden. Im Klima-Kreis geht es nicht darum, die Probleme anderer zu lösen, unaufgeforderte Ratschläge oder Empfehlungen zu geben oder zu diskutieren, wie man beim Klimaschutz handeln sollte. Solche Gespräche sind wichtig, finden jedoch in anderen Formaten statt.

Schritt 2: Den Klima-Kreis durchführen

  1. Öffnen Sie den Klima-Kreis, indem Sie einer lernenden Person als Erste*r das Wort geben – oder, falls sich niemand meldet, sprechen Sie selbst zuerst als Leitung des Klima-Kreises.
  2. Erinnern Sie die Teilnehmenden daran, bei aufkommendem Dialog die Prinzipien des offenen Teilens und des tiefen Zuhörens einzuhalten.
  3. Schließen Sie den Klima-Kreis, sobald alle Lernenden gesagt haben, was sie sagen wollten – nachdem Sie geprüft haben, ob es noch Ergänzungen gibt.
  4. Laden Sie die Lernenden nach dem Schließen des Klima-Kreises ein, sich eine Minute Zeit zum Atmen und zur kurzen Reflexion über die Erfahrung zu nehmen. 

Schritt 3: Reflexionen zur Erfahrung im Klima-Kreis einholen 

  1.  Erinnern Sie am Ende der Sitzung an den Zweck des Klima-Kreises und laden Sie die Lernenden ein, ihre Eindrücke und Reflexionen zur Teilnahme zu teilen.
  2. Bieten Sie Lernenden, die sich weiter informieren oder zusätzliche Unterstützung wünschen, weitere Ressourcen zu emotionalem und mentalem Wohlbefinden im Zusammenhang mit dem Klimawandel an. Verweisen Sie auf weitere Klima-Kreise/Klima-Cafés, an denen sie bei Interesse teilnehmen können.
  3. Geben Sie den Lernenden noch ein paar Minuten, um zu atmen und das Besprochene zu integrieren, bevor sie in den Unterricht oder ihre Aufgabe zurückkehren. 

Level 2: Neue Gewohnheiten

Organisieren Sie einen Klima-Kreis wöchentlich, zweiwöchentlich oder monatlich, damit Lernende regelmäßig Zugang zu einem sicheren Raum zur Verarbeitung ihrer Klimaemotionen haben.

Ermutigen Sie Ihre Lernenden, sich näher mit Klima-Kreisen zu befassen und sich in der Leitung von Klima-Kreisen schulen zu lassen, um solche Räume für ihre Mitschüler*innen und/oder andere Mitglieder ihrer Gemeinschaft anbieten zu können. 


Was tun – was vermeiden?

Tun

  • Leben Sie als Leitung des Klima-Kreises offenes Teilen und tiefes Zuhören vor.
  • Hören Sie Lernenden zu, die sich durch die Übung überfordert fühlen und/oder währenddessen oder am Ende zusätzliche Unterstützung wünschen, und geben Sie ihnen die Informationen, die sie benötigen, um diese Unterstützung zu erhalten.
  • Halten Sie mit Lernenden nach, die sich offenbar in einer Krise befinden oder mit mentalen Gesundheitsherausforderungen ringen.

Vermeiden

  • Ungefragte Ratschläge oder Empfehlungen zu geben.
  • Den Raum des Klima-Kreises in einen Dialog oder eine moderierte Diskussion über Klimaschutzmaßnahmen oder Lösungen für die Klimakrise zu verwandeln.
  • Die von Lernenden geteilten Emotionen abzuwerten oder zu invalidieren.
  • Zu versuchen, den Klima-Kreis zwanghaft positiv enden zu lassen.

Anpassungen

Wenn sich Ihre Lernenden miteinander nicht wohl fühlen oder einander nicht vertrauen, ist ein Werkzeug, das den individuellen Ausdruck von Emotionen in den Mittelpunkt stellt (z. B. Journaling) und anschließend eine Aktivität mit Bewegung zur Beruhigung von Klimaangst (z. B. Aktivitäten in Kompetenzbereich 1.3) vermutlich die bessere Wahl.

Wenn es Lernenden schwerfällt, Emotionen sprachlich auszudrücken, kann das Vormachen verschiedener Ausdrucksformen (Zeichnungen, Collagen, Assemblagen, Skulpturen) helfen.

Wenn Ihre Lernenden aus verschiedenen Kulturen kommen und unterschiedliche Muttersprachen sprechen, können Sie anbieten, Gruppen nach Sprachen zu bilden, damit sie ihre Emotionen in der jeweiligen Sprache teilen können – das kann Austausch erleichtern und spontaner machen.

Wir laden Sie stets ein, diese Aktivität an die Bedürfnisse Ihrer Lernenden anzupassen, einschließlich unter Berücksichtigung ihrer Neurodiversität. Beim Anpassen von Tools und Aktivitäten für neurodivergente Lernende gilt: Es geht nicht darum, andere so zu behandeln, wie Sie behandelt werden möchten, sondern so, wie sie behandelt werden möchten. Fragen, zuhören und offen bleiben für unterschiedliche Wege des Lernens und der Beteiligung.  

Quellen

Diese Aktivität wurde von One Resilient Earth entwickelt.

Community. Photo by Tetiana Byts.

Allgemeine Informationen

  • Altersgruppe: 18+
  • Dauer: Kurz (weniger als 45 Minuten), Ein oder zwei Unterrichtseinheiten (ca. 45-90 Minuten)
  • Gruppengröße:

  • Schwierigkeitsgrad: Medium

  • Material/Raum: Ggf. Mal-/Bastelmaterialien zum Darstellen/Anordnen von Emotionen; ein Raum, in dem die Teilnehmenden im Kreis sitzen können
  • Ort: Beliebig

Bei Durchführung in öffentlichen Räumen darauf achten, dass die Vertraulichkeit gewahrt bleibt und kein Durchgangsverkehr stattfindet

  • Einbindung externer Stakeholder: Nicht zwingend.