Aktivität 5.2.2:

Lokale Kartografien

Überblick

Kartografien können helfen, die Klimarisiken eines bestimmten Ökosystems und einer Gemeinschaft zu verstehen und zu visualisieren – ebenso wie die Ressourcen (z. B. lokales Wissen und Expertise sowie potenzielle Freiwillige, Geld- oder Sachquellen), die vor Ort mobilisiert werden können, um diese Risiken jetzt und künftig zu adressieren, einschließlich durch Regeneration. Diese Aktivitäten lassen sich gut in den Geographieunterricht integrieren; jede Karte kann kreativ gestaltet werden, z. B. mit 3D-Elementen oder Naturmaterialien, die die umliegenden Ökosysteme darstellen. Solche Karten können helfen, vom Verstehen ins Handeln zu kommen.

Lehrplanbezug

Geografie, Politische Bildung & Sozialkunde, Fächerübergreifende & Globale Kompetenzen

Aufgebaute Kompetenzen

Zusammenarbeit, Gesellschaftliche Handlungsmacht, Systemdenken

Vorbereitung

  • Lesen Sie den Abschnitt des Handbuchs zu Klimaresilienz und Verwundbarkeit.
  • Machen Sie sich mit den lokalen Auswirkungen und zukünftigen Risiken des Klimawandels in Ihrem lokalen Ökosystem vertraut.
  • Erkunden Sie die unterschiedlichen Ebenen der Klimaverwundbarkeit verschiedener Gemeinschaften und Bevölkerungsgruppen im Hinblick auf Exposition, Sensitivität und Bewältigungskapazität.
  • Recherchieren Sie lokale Expertise und/oder lokale Organisationen, die beim Aufbau von Resilienz und der Förderung von Regeneration helfen könnten. 

Kompetenzen/Aktivitäten, die die Lehrperson zuerst üben sollte:

Tool 4.4 „Resilienz und Regeneration gestalten“ enthält Aktivitäten, die helfen, Klimaverwundbarkeit zu verstehen und Zugänge zum Resilienzaufbau auf lokaler Ebene zu entwickeln.

Levels in dieser Aktivität

  1. Exploration
  2. Projekt

Level 1: Exploration

  1. Geben Sie den Lernenden Karten des Dorfes und seiner Umgebung, der Stadt oder des Einzugsgebiets, zu dem ihr Ort gehört. Auf Ebene des Einzugsgebiets zu arbeiten, ist aus wissenschaftlicher Sicht für den Aufbau von Klimaresilienz stimmiger; für jüngere Lernende kann dieser Raum jedoch sehr groß sein. Für sie ist es ggf. leichter, mit dem Ort oder sogar dem Stadtteil (bei sehr großen Städten) zu beginnen.
  2. Nutzen Sie die Karten, um Exposition, Sensitivität und Bewältigungskapazität als Bestimmungsfaktoren der Klimaverwundbarkeit zu erläutern.
    • Exposition gegenüber bestimmten Klimafolgen hängt u. a. von der Topographie ab. Klimafolgen sind z. B. Überflutungen (bei Küstenlage oder Flussnähe), Hitzeinseln in dicht bebauten, baumarmen Stadtgebieten oder Waldbrände in waldnahen Siedlungsräumen.
    • Zur Sensitivität: Bestimmte Bevölkerungsgruppen sind von Klimawandelfolgen eher betroffen, z. B. Säuglinge und ältere Menschen bei Hitzeperioden oder Überflutungen.
    • Zur Bewältigungskapazität: Veranschaulichen Sie z. B. an den Kosten einer Hausreparatur nach einer Überschwemmung und den durchschnittlichen Einkommen verschiedener Gruppen: Wer kann sich eine Reparatur leisten? Wer erhält Unterstützung von Familie oder Freundeskreis während der Instandsetzung?
  3. Bitten Sie die Lernenden, Bereiche zu kartieren, die verschiedenen Klimawandelfolgen ausgesetzt sind (siehe Ressourcen für eine Liste von Klimafolgen und zugehörigen Verlusten). Heben Sie – soweit möglich – auch die Standorte von Bevölkerungsgruppen hervor, die besonders gefährdet sein könnten.
  4. Fordern Sie die Lernenden auf, Ressourcen/Assets für den Resilienzaufbau zu markieren, z. B. grüne Flächen (Baumbestand, Parks), die Abkühlung in Stadt/Stadtteil/Ort bringen, sowie Flüsse/Seen/Kanäle/Feuchtgebiete in und um die Stadt, die z. B. bei Hitze als Bade-/Abkühlorte dienen oder Überflutungen durch Wasserrückhalt mindern können. Als Ressourcen sind zudem lokale Projekte zu vermerken, die zum Resilienzaufbau oder zur Ökosystemrestauration beitragen, einschließlich Lern- und Mitmachorten. Die Lernenden können suchen nach:
    1. Kommunalen Klimaanpassungsplänen (falls vorhanden)
    2. Initiativen/Projekten zu Begrünung, Wiederverwilderung, Permakultur oder Urbaner Landwirtschaft
    3. Initiativen/Projekten zur Unterstützung vulnerabler Gruppen (z. B. ältere Menschen, wohnungslose Menschen) bei Hitzeperioden
    4. Hochschulprojekten, die lokale Klimadaten analysieren oder Klimaschutzmaßnahmen untersuchen
    5. Initiativen/Projekten an der Schnittstelle von psychischer Gesundheit und Klimawandel (z. B. Klimakreise oder Klimacafés)
  5. Die Karten können farbcodiert, mit multimedialen Tools oder als 3D-Reliefkarten gestaltet werden – einschließlich Naturmaterialien (z. B. Moos, Zweige) zur Darstellung des Ökosystems auf der Karte. So entsteht ein erster Überblick über klimawandelbedingte Risiken und Resilienzmaßnahmen im Maßstab von Stadt, Stadtteil oder Ort. 
Source: UNFCCC
Quelle: UNFCCC

Level 2: Projekt

  1. Wird die Aktivität als Projekt angelegt, haben die Lernenden mehr Zeit, Informationen zu sammeln, die in vorhandenen Karten oder online nicht leicht zugänglich sind. So können neue Daten und Wissen zusammengetragen werden – u. a. zu nicht-wirtschaftlichen Verlusten und Schäden, die vor Ort bereits eingetreten sind (siehe Ressourcen für eine grafische Darstellung von Klimafolgen sowie Verlusten und Schäden).
  2. Zusätzliche Informationen können sein: Orte, an denen Klimawirkungen bereits spürbar waren (z. B. Waldbrände oder Insektenbefall, der Wälder schädigt; niedrige Wasserstände in Flüssen oder Grundwasserleitern), konkret betroffene Arten (Tiere, Pflanzen, Pilze), beschädigtes materielles oder immaterielles Kulturerbe sowie Ökosysteme/Orte, die sich noch erholen.
  3. Lernende können Klimaanxiety oder Klimatrauer lokal kartieren – insbesondere, wenn bereits ein extremes, klimabezogenes Ereignis stattgefunden hat. Sie können zudem das Engagement der Einwohner:innen im Klimaschutz und Resilienzaufbau erfassen sowie die Art der Maßnahmen. Ebenso können sie Räume markieren, in denen kollektive Organisation zur Bewältigung von Klimafolgen stattfindet. Alle weiteren Informationen, die aus Sicht der Lernenden hilfreich sind, um Klimafolgen besser zu verstehen und kollektiv zu handeln, können auf der Karte verzeichnet werden.
  4. Die Karte kann zu einem sehr hilfreichen, ggf. interaktiven Werkzeug für die Gemeinschaft werden – zum Lernen über sich selbst und zum Handeln. Sie macht nicht-wirtschaftliche Verluste und Schäden sichtbar, was den Bewohner:innen Erleichterung verschaffen und wichtige Informationen für jene liefern kann, die sich dafür einsetzen, dass solche Verluste und Schäden politisch besser adressiert werden.
  5. Die zahlreichen Interviews, die Lernende zur Erstellung der Karte führen, können wesentlich dazu beitragen, Grundlagen für zukünftige Kooperationen im lokalen Umfeld zu schaffen. 

Was tun – was vermeiden?

Tun

  • Ermutigen Sie die Lernenden, mehrere Datenbanken und bereits verfügbare (Online-)Karten systematisch zu sichten.
  • Vernetzen Sie sich mit der Kommunalverwaltung, um Zugang zu bestimmten Karten zu erhalten – und bieten Sie an, die von den Lernenden entwickelten Karten in Abstimmung mit der Kommune zu teilen.

Vermeiden

  • Vermeiden Sie das Erheben personenbezogener Daten von Einwohner:innen, ohne deren Anonymisierung sicherzustellen und die Betroffenen über die Nutzung ihrer Daten zu informieren. 

Anpassungen

Recherchieren und nutzen Sie – sofern verfügbar – Online-Tools zur Erstellung von 3D-Kartierungen.

Wir laden Sie stets ein, diese Aktivität an die Bedürfnisse Ihrer Lernenden anzupassen, einschließlich unter Berücksichtigung ihrer Neurodiversität. Beim Anpassen von Tools und Aktivitäten für neurodivergente Lernende gilt: Es geht nicht darum, andere so zu behandeln, wie Sie behandelt werden möchten, sondern so, wie sie behandelt werden möchten. Fragen, zuhören und offen bleiben für unterschiedliche Wege des Lernens und der Beteiligung.  

Quellen

Diese Aktivität wurde von One Resilient Earth entwickelt. 

3D Participatory Mapping: a model to promote socially-inclusive climate action. (2024, October 1). SERVIR SEA. https://servir.adpc.net/news/3d-participatory-mapping-model-promote-socially-inclusive-climate-action 

The Transformative Power of 3D Participatory Mapping in the Yanesha Communal Reserve. (2024). IUCN. https://iucn.org/story/202307/transformative-power-3d-participatory-mapping-yanesha-communal-reserve

Participatory 3D mapping for land use planning and climate change adaptation | PANORAMA. (2019). https://panorama.solutions/en/solution/participatory-3d-mapping-land-use-planning-and-climate-change-adaptation  

Leon, J. X., Hardcastle, J., James, R., Albert, S., Kereseka, J., & Woodroffe, C. D. (2015). Supporting Local and Traditional Knowledge with Science for Adaptation to Climate Change: Lessons Learned from Participatory Three-Dimensional Modeling in BoeBoe, Solomon Islands. Coastal Management, 43(4), 424–438. https://doi.org/10.1080/08920753.2015.1046808 

Meguro, W., Briones, J., Failano, G., & Fletcher, C. H. (2024). A Science and Community-Driven Approach to Illustrating Urban adaptation to Coastal Flooding to inform management plans. Sustainability, 16(7), 2849. https://doi.org/10.3390/su16072849 

USAID NASA SERVIR SEA. (2024, October 8). SERVIR SEA. https://servir.adpc.net/ 

Good practices in participatory mapping: A review prepared for the International Fund for Agricultural Development (IFAD). (2009). https://www.ifad.org/documents/38714170/39144386/PM_web.pdf/7c1eda69-8205-4c31-8912-3c25d6f90055

Learners walking on a path in a very green forest.

Allgemeine Informationen

  • Altersgruppe: 6+
  • Dauer: Ein oder zwei Unterrichtseinheiten (ca. 45-90 Minuten), Längere Projekte
  • Gruppengröße:

  • Schwierigkeitsgrad: Fortschrittlich

  • Material/Raum: Lokale Karten im großen Maßstab, Zeichenmaterial sowie weitere Materialien zur Erstellung von 3D-Karten und zur Darstellung des lokalen Ökosystems.
  • Ort: Draußen, Drinnen

  • Einbindung externer Stakeholder: Optional