Aktivität 5.4.3:

Mit Empathie kommunizieren

Überblick

Diese Aktivität führt Lernende in das Konzept der Empathie ein und zeigt, wie sie empathisch miteinander kommunizieren können. Im Rahmen der Aktivität gestalten die Lernenden einen „Schuh“ und nutzen ihn, um die Perspektive einer anderen Person einzunehmen – also sprichwörtlich in ihren Schuhen zu gehen.

Lehrplanbezug

Sprache & Literatur, Politische Bildung & Sozialkunde, Kunst, Ethik, Religion und Philosophie

Aufgebaute Kompetenzen

Verantwortungsübernahme, Aktives Zuhören, Fürsorge, Zusammenarbeit, Mut, Demut, Perspektivwechsel

Vorbereitung

  • Erstellen Sie die Situationskarten. Diese Karten können aus Papier oder Karton bestehen und sollten eine belastende Situation enthalten, die in der Lebenswelt Ihrer Lernenden vorkommen könnte – zum Beispiel das Gefühl, niemanden zu haben, mit dem man über die eigenen Sorgen in Bezug auf den Klimawandel sprechen kann. Berücksichtigen Sie die Lebenswirklichkeit und sozialen Dynamiken Ihrer Lernenden. Mit welchen Herausforderungen könnten sie konfrontiert sein? Beschreiben Sie Situationen, die für sie relevant sind.

Kompetenzen/Aktivitäten, die die Lehrperson zuerst üben sollte:

Ebenen in der Aktivität

  1. Empathie-Schuhe
  2. Neue Gewohnheiten
  3. Empathie-Glas

Level 1: Empathie-Schuhe

  1. Beginnen Sie mit der Frage an die Klasse: „Was ist Empathie?“ Geben Sie Zeit für Antworten und Diskussion. Sie können eine Mindmap mit den Rückmeldungen erstellen. Erklären Sie anschließend, dass Empathie bedeutet, zu verstehen und sich darum zu kümmern, wie sich jemand anderes fühlt. Es ist, als würde man in die Schuhe dieser Person schlüpfen und die Welt aus ihrer Perspektive sehen.
  2. Fragen Sie anschließend: „Was bedeutet es, empathisch zu kommunizieren?“ Geben Sie Zeit für Antworten und Diskussion und ergänzen Sie die Mindmap bei Bedarf. Erklären Sie dann, dass empathische Kommunikation über das Sprechen und Hören von Worten hinausgeht – empathisch zu kommunizieren bedeutet, dass alle Gesprächspartner*innen die Gefühle und Perspektiven der jeweils anderen anerkennen. Es ist, als würden Sie in die Schuhe der anderen treten – und umgekehrt.
  3. Gestalten Sie Ihren Schuh: Geben Sie jeder lernenden Person ein Blatt Papier und einen Marker und lassen Sie sie ihren eigenen Schuh zeichnen. Geben Sie Zeit, den Schuh zu personalisieren. Dieser Schuh steht für die Person selbst, ihre Gefühle und ihre einzigartige Perspektive auf die Welt.
  4. Situationskarten:
    1. Bitten Sie die Lernenden, sich zu zweit zusammenzutun, und geben Sie jedem Paar eine Situationskarte.
    2. Stellen Sie die Frage: „Wie würdest du dich in dieser Situation fühlen?“
    3. Geben Sie Zeit für Austausch im Paar.
    4. Lassen Sie die Lernenden anschließend ihre Schuhe tauschen, um zu symbolisieren, dass sie in die Schuhe der anderen Person schlüpfen.
    5. Geben Sie Zeit, die „Schuhe“ der jeweils anderen zu betrachten und deren Perspektiven und Gefühle zu bedenken.
    6. Bitten Sie die Lernenden zu überlegen, wie sie sich in der Situation fühlen würden, wenn sie nun die Perspektive der anderen Person einnehmen – also deren Schuhe tragen.
    7. Geben Sie Zeit für Reflexion und Austausch.
    8. Ermutigen Sie die Lernenden, ein neues Gespräch über die Situation zu führen, in dem jede Person die Perspektiven und Gefühle der anderen berücksichtigt. Aus zwei Schuhen wird so ein Paar.

Level 2: Neue Gewohnheiten

  1. Fordern Sie die Lernenden auf, in der kommenden Woche empathisch zu kommunizieren. Falls passend, lassen Sie Versuche oder Einsichten in einem Journal festhalten.
  2. Laden Sie die Lernenden nach der Woche ein, ihre Erfahrungen in der Klasse zu teilen.

Level 3: Empathie-Glas

  1. Stellen Sie ein Glas mit einem kleinen Schlitz in einem Gemeinschaftsbereich der Klasse auf. Beschriften Sie es als Empathie-Glas. Legen Sie daneben Zettel aus, auf denen Lernende ihre Erfahrungen mit Empathie notieren können.
  2. Laden Sie die Lernenden ein, ihren Namen anzugeben oder die Zettel anonym in das Glas zu werfen.
  3. Ziehen Sie einmal pro Woche einen Zettel und lesen Sie ihn der Klasse vor, damit alle darüber nachdenken und ins Gespräch kommen können.

Was tun – was vermeiden?

Tun

  • Gestalten Sie relevante und altersangemessene Situationskarten.
  • Bilden Sie Paare so, dass Lernende ihre Perspektive erweitern können.

Vermeiden

  • Vermeiden Sie Situationskarten, die traumatisierend oder anderweitig unangemessen sein könnten.

Anpassungen

  • Wenn Ihre Lernenden bereits eine Grundlage in Empathie und Selbstreflexion haben, können Sie sie eigene Situationskarten entwickeln lassen.
  • Wenn Sie den Kunst- und Bastelanteil betonen möchten, werden Sie kreativ mit den Materialien, aus denen die „Schuhe“ gestaltet werden.
  • Wenn das Gestalten der Schuhe schwerfällt, stellen Sie Impulsfragen, die Kreativität und Selbstausdruck anregen.
  • Wenn das Ausdrücken von Gefühlen schwerfällt, stellen Sie ein Piktogramm/„Gefühlskartei“ bereit, auf der Emotionen dargestellt sind.

Wir laden Sie stets ein, diese Aktivität an die Bedürfnisse Ihrer Lernenden anzupassen, einschließlich unter Berücksichtigung ihrer Neurodiversität. Beim Anpassen von Tools und Aktivitäten für neurodivergente Lernende gilt: Es geht nicht darum, andere so zu behandeln, wie Sie behandelt werden möchten, sondern so, wie sie behandelt werden möchten. Fragen, zuhören und offen bleiben für unterschiedliche Wege des Lernens und der Beteiligung.  

Quellen

Dieses Tool wurde von Legacy17 entwickelt und ist inspiriert von der Aktivität Empathy: Put Yourself in Someone Else’s Shoes von The Mustard Seed (als zusätzliche Ressource für Lehrende geeignet, die leere Schuh-Vorlagen nutzen möchten – besonders hilfreich für jüngere Lernende).

Wenn Sie sich dafür interessieren, wie künstlerische Prozesse rund um das „in die Schuhe einer anderen Person schlüpfen“ soziale Beziehungen und Zusammenarbeit fördern können, lesen Sie gern folgenden Artikel:

  • Martínez-López de Castro, R.; Alvariñas-Villaverde, M.; Pino-Juste, M.; Domínguez-Lloria, S. Designing and Evaluation of an Artistic Experience for the Development of Empathic Capacity: “Stepping into Others’ Shoes”. Brain Sci.2022, 12, 1565. https://doi.org/10.3390/brainsci12111565 

Vorschläge für Situationskarten

Die/Der Bestäuber-Botschafter*in

Sie schlagen vor, auf dem Campus/in Ihrer Gemeinde einen kleinen Bestäuber-Garten anzulegen, um lokale Bienenpopulationen zu unterstützen. Ihre Freundinnen winken ab und verbringen ihre freie Zeit lieber mit dem Scrollen in sozialen Medien.

In ihren Schuhen gehen: Wie fühlt es sich an, wenn Ihre Umweltanliegen abgetan werden? Welche Unterstützung bräuchten Sie, um weiter für Veränderungen einzutreten?


Die/Der Allein-Aufräumer*in

Sie organisieren einen Aufräumtag auf dem Campus/in der Nachbarschaft und erscheinen mit Material, aber nur zwei weitere Personen kommen, während Dutzende, die zugesagt hatten, nicht auftauchen.

In ihren Schuhen gehen: Wie ist es, Initiative für Umweltschutz zu ergreifen und sich doch nicht unterstützt zu fühlen? Was würde Sie motivieren, trotz geringer Beteiligung weiter zu organisieren?


Die/Der Recycling-Champion

Sie sortieren zu Hause oder im Wohnheim/ in der Wohngemeinschaft sorgfältig den Müll zum Recycling, entdecken jedoch, dass Mitbewohnerinnen alles in die Restmülltonne werfen und Ihre Mühe zunichtemachen.

In ihren Schuhen gehen: Wie würden Sie sich fühlen, wenn Ihre Umweltbemühungen scheinbar vergeblich sind? Wie würden Sie die Situation mit Ihren Mitbewohner*innen ansprechen?


Die/Der Wasser-Wegweiser*in

Bei einer Gruppendiskussion über steigende Betriebskosten schlagen Sie einfache Maßnahmen zum Wassersparen vor. Jemand entgegnet: „Wir haben keinen Dürrenotstand, entspann dich“, und andere lachen.

In ihren Schuhen gehen: Wie ist es, wenn Umweltbewusstsein als Überreaktion abgetan wird? Was würde Ihnen helfen, weiterhin nachhaltige Ideen zu teilen?


Die/Der Bewusste Konsument*in

Sie tragen Secondhand-Kleidung und fahren mit dem Fahrrad statt mit dem Auto, um Ihren CO₂-Fußabdruck zu reduzieren. Mitschülerinnen kommentieren: „Bist du pleite?“ oder „So übertrieben.“

In ihren Schuhen gehen: Wie würden Sie sich fühlen, wenn Ihre nachhaltigen Entscheidungen missverstanden oder verspottet werden? Welche Unterstützung würde Ihnen helfen, Ihren Werten treu zu bleiben?


Die/Der Energie-Sparer*in

Sie schlagen vor, Licht und Geräte in Gemeinschaftsräumen auszuschalten, wenn sie nicht gebraucht werden. Familie oder Mitbewohnerinnen sagen: „Du übertreibst, so teuer ist das nicht“ – und machen weiter wie bisher.

In ihren Schuhen gehen: Wie ist es, wenn praktische Umweltschutzmaßnahmen als unnötig abgetan werden? Wie würden Sie sich wünschen, dass andere auf Ihre Vorschläge reagieren?


Die/Der Pflanzenbasierte Pionier*in

Sie möchten mehr pflanzenbasierte Mahlzeiten essen, um Ihre Umweltwirkung zu verringern. Freundinnen hinterfragen ständig Ihre Entscheidung und machen bei jedem gemeinsamen Essen Witze über „Kaninchenfutter“.

In ihren Schuhen gehen: Wie ist es, wenn die eigenen Ernährungsentscheidungen ständig kritisiert werden? Welche Reaktion von Freund*innen würde sich unterstützend anfühlen?


Die/Der Verkehrs-Verändererin

Sie gehen zu Fuß, fahren Rad oder nutzen den ÖPNV statt des Autos. Freundinnen beschweren sich regelmäßig, Ihre „umständlichen“ Wege erschwerten die gemeinsame Planung.

In ihren Schuhen gehen: Wie ist es, wenn nachhaltige Entscheidungen von anderen als Belastung gesehen werden? Was würde Ihnen helfen, Ihr Engagement beizubehalten und zugleich mit Freund*innen verbunden zu bleiben?

Allgemeine Informationen

  • Altersgruppe: 6+
  • Dauer: Ein oder zwei Unterrichtseinheiten (ca. 45-90 Minuten)
  • Gruppengröße:

  • Schwierigkeitsgrad: Medium

  • Material/Raum: Situationskarten, Whiteboard und/oder großes Blatt Papier, Marker
  • Ort: Drinnen

  • Einbindung externer Stakeholder: Nicht zwingend.