Überblick

Wie können wir authentisch kommunizieren und gemeinsam mit einem anderen Tier Vertrauen aufbauen? Diese Aktivität ist für 1–2 Lernende pro Tier konzipiert und setzt freundliche, sichere und tierschutzgerecht ausgebildete Tiere voraus (z. B. Hunde, Pferde oder Schafe). Begegnen Sie dem Tier mit Mitgefühl und laden Sie es ein, Ihnen über einen Parcours mit passenden Aufgaben und Rätseln zu folgen. Die Lernenden treten mit dem Tier in Beziehung und entwickeln dabei Kompetenzen in den Bereichen Zusammenarbeit und Verbundenheit. Um die Aufgaben zu lösen, müssen die Lernenden eine gemeinsame „Sprache“ mit dem Tier finden.

Lehrplanbezug

Politische Bildung & Sozialkunde, Bewegung und Gesundheit, Ethik, Religion und Philosophie Über die Auswahl der Stationen können weitere Fächer eingebunden werden.

Aufgebaute Kompetenzen

Authentizität, Mitgefühl, Emotionale Kompetenz, Emotionsregulation, Empathie, Denken in Verbundenheit, Präsenz

Vorbereitung

  • Vorab mit den Halter*innen klären, welche Tiere teilnehmen und welche Handhabungsregeln die Lernenden befolgen müssen (Leckerlis geben, streicheln usw.).
  • Die Aufgaben/Stationen des Parcours vorbereiten. 

Schritte in dieser Aktivität

  1. Gespräch und Grundregeln
  2. Erdungsübung
  3. Kennenlernen des Tiers
  4. Der Parcours
  5. Reflexionen

Schritt 1: Gespräch und Grundregeln

Lernende sind vor einem Tierkontakt oft aufgeregt, manchmal auch ängstlich. Beginnen Sie mit einem Gespräch und einer Erdungsübung, um Ruhe und Fokus zu finden, bevor Sie die Tiere vorstellen. 

  1. Sprechen Sie mit den Lernenden darüber, wie die Tiere behandelt werden möchten, was sie motiviert und wie freundliche Interaktion aussieht.
  2. Erklären Sie, ob und wann Leckerlis als Teil der Kommunikation gegeben werden dürfen.

Schritt 2: Erdungsübung – zur Beruhigung vor der Begegnung

Führen Sie die Lernenden durch folgende kurze Übung:

  1. Stelle die Füße fest auf den Boden und lasse die Augen geöffnet.
  2. Schwinge so weit wie möglich vor und zurück.
  3. Verringere das Schwingen langsam, bis es so klein ist, dass es von außen nicht mehr sichtbar ist.
  4. Beobachte dabei deinen Atem. Du musst nichts ändern oder „besonders“ atmen – nur wahrnehmen.
  5. Wenn du dich jetzt ruhiger fühlst, erinnere dich an dieses Gefühl, wenn du dem Tier begegnest – es hilft dem Tier, sich bei dir sicher zu fühlen. 

Schritt 3: Kennenlernen des Tiers 

  1. Ermutigen Sie die Lernenden, ein Tier zu sich einzuladen. Sie und die Halter*innen unterstützen bei der Zuteilung und führen die Tiere bei Bedarf zu den Lernenden.
  2. Bitten Sie die Lernenden, dem Tier mit Mitgefühl zu begegnen. Je nach Auskunft der Halter*innen kann das z. B. ein Kraulen hinter den Ohren, sanftes Streicheln des Fells – oder einfach ruhige Präsenz und Raum geben – sein.
  3. Bitten Sie die Lernenden, das Tier einzuladen, ihnen ein paar Schritte zu folgen – ohne Ziehen oder Zerren. Sie und die Halter*innen geben bei Bedarf Tipps, um Frustrationen zu vermeiden. 

Lernende begrüßen ein Pferd und laden es ein, freiwillig zu ihnen zu kommen. Lernende begrüßen ein Pferd, bevor sie es einladen, ihnen zu folgen. Foto: Marte Maurabakken/Climate Creativity.


Schritt 4: Der Hindernisparcours

  1. Fordern Sie die Lernenden auf, das Tier nun über einen „Hindernisparcours“ mit passenden Aufgaben und kleinen Rätseln zu führen. Jede Station enthält eine Aufgabe. Wählen Sie als Lehrperson Aufgaben, die zu Ihrer Gruppe passen. Die Dauer hängt von Lernenden und Tieren ab. Empfehlenswert sind z. B. 2–5 Stationen; bringen Sie weitere 5 Aufgaben/Varianten mit, falls Gruppen schneller fertig sind. Ziel ist die Erfahrung gelingender Kommunikation mit einer anderen Spezies – es eilt nicht, und es ist okay, nicht alle Aufgaben zu absolvieren. Je nach Gruppe können an den Stationen schriftliche Anleitungen liegen oder Sie erklären alles vorab mündlich.
  2. Unterstützen Sie beim Arbeiten am Parcours. Mögliche Stationen:
    1. Eine kleine Matte liegt am Boden. Ziel: Das Tier setzt eine Vorderpfote/ein Vorderbein auf die Matte.
    2. 5–10 Gegenstände in einer Linie – gemeinsam im Slalom hindurchgehen.
    3. Ein langer Stab am Boden – Ziel: Das Tier steht mit zwei Beinen auf der einen, mit zwei auf der anderen Seite des Stabs.
    4. Zwei lange Stäbe bilden einen „Korridor“ am Boden – die Lernenden gehen außen entlang, das Tier geht in der Mitte zwischen den Stäben.
    5. Lehrplanbezogene Aufgaben für die Lernenden (z. B. „5 Geschichtsfragen“, „Schreibe ein kurzes Gedicht über heute“, „Lies dem Tier eine freundliche Botschaft vor“). Das Tier kann dabei fressen/ruhen, während die Lernenden arbeiten.

Hinweis: Es ist nicht nötig, alle (oder überhaupt) Hindernisse zu nutzen. Manchmal genügen ein oder zwei; wenn Lernende wenig Tiererfahrung haben, kann schon das gemeinsame Gehen ohne Hindernisse fordernd genug sein. Herausforderungen dürfen Spaß machen – aber überfordern Sie niemanden.

Eine Lernender geht mit einem Pferd; das Pferd folgt frei ohne Strick. Am Ende der Übung wird das Pferd mit Karotten aus einem Eimer belohnt. Photo: Marte Maurabakken

Schritt 5: Reflexionen

  1. Öffnen Sie ein Gespräch – in Kleingruppen oder im Plenum. Mögliche Fragen:
    1. Was, glaubst du, hat dem Tier am gemeinsamen Bewegen mit dir gefallen?
    2. Denke an eine Person, mit der du gern zusammenarbeitest: Welche Eigenschaften helfen, damit Kooperation gut gelingt?
    3. Wo ist Zusammenarbeit sonst noch wichtig?
    4. Was kann bei Kooperation Angst machen?
    5. Was brauchst du, um dich in der Zusammenarbeit sicher zu fühlen?
    6. Was macht eine gute Führungsperson aus – und wie lässt sie dich fühlen?What do you need to feel safe when cooperating with someone?

Was tun – was vermeiden?

Tun

  • Wählen Sie Hindernisse und Komplexität passend zu Ihrer Lerngruppe.
  • Arbeiten Sie eng mit den Tierhalter*innen zusammen.

Vermeiden

Tiere oder Lernende in der Interaktion zu drängen oder zu hetzen. 

Anpassungen

Wählen Sie Ort und Tier passend zu den Bedürfnissen Ihrer Lernenden – z. B. barrierefreie Umgebung für Rollstuhlnutzende oder ein Tier, das mit plötzlichen Bewegungen von Lernenden gut zurechtkommt.

Wir laden Sie stets ein, diese Aktivität an die Bedürfnisse Ihrer Lernenden anzupassen, einschließlich unter Berücksichtigung ihrer Neurodiversität. Beim Anpassen von Tools und Aktivitäten für neurodivergente Lernende gilt: Es geht nicht darum, andere so zu behandeln, wie Sie behandelt werden möchten, sondern so, wie sie behandelt werden möchten. Fragen, zuhören und offen bleiben für unterschiedliche Wege des Lernens und der Beteiligung.  

Quellen

Diese Aktivität wurde von Climate Creativity entwickelt.

Bachi, K., Terkel, J., & Teichman, M. (2011). Equine-facilitated psychotherapy for at-risk adolescents: The influence on self-image, self-control and trust. Clinical Child Psychology and Psychiatry, 17(2), 298–312. https://doi.org/10.1177/1359104511404177 

Hauge, H., Kvalem, I. L., Berget, B., Enders-Slegers, M., & Braastad, B. O. (2013). Equine-assisted activities and the impact on perceived social support, self-esteem and self-efficacy among adolescents – an intervention study. International Journal of Adolescence and Youth, 19(1), 1–21. https://doi.org/10.1080/02673843.2013.779587 

O’Haire, M. E., Guérin, N. A., & Kirkham, A. C. (2015). Animal-Assisted Intervention for trauma: a systematic literature review. Frontiers in Psychology, 6. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2015.01121 

Pendry, P., Smith, A. N., & Roeter, S. M. (2014). Randomized trial examines effects of equine facilitated learning on adolescents’ basal cortisol levels. Human-animal Interaction Bulletin. https://doi.org/10.1079/hai.2014.0003 

Publication in Swedish:

Risshytt-Collman, C. (2018). Hästen och Folkhälsan: Forskning—Fakta—Goda exempel. Hästnäringens Nationella Stiftelse (HNS) i samverkan med Organisationen för Hästunderstödda Insatser (OHI). https://hastnaringen.se/app/uploads/2018/03/hasten-och-folkhalsan-web-180307.pdf

Learners greeting a horse, inviting the horse to voluntarily come over to them. Photo: Marte Maurabakken/Climate Creativity.

Allgemeine Informationen

  • Altersgruppe: 6+
  • Dauer: Ein oder zwei Unterrichtseinheiten (ca. 45-90 Minuten)
  • Gruppengröße:

1–2 Lernende pro Tier; idealerweise max. 10–15 Lernende gleichzeitig aktiv, um die Sicherheit rund um die Tiere bestmöglich zu gewährleisten.

  • Schwierigkeitsgrad: Medium

  • Material/Raum: Freundliche, sichere und tierschutzgerecht ausgebildete Tiere (z. B. Hunde, Pferde oder Schafe). Leckerlis zur positiven Verstärkung (mit den Tierhalterinnen abklären, welche geeignet sind).
  • Ort: Draußen

  • Einbindung externer Stakeholder: Ja.

Die Halter*innen der eingesetzten Tiere; die Tiere.