Aktivität 3.1.1:

Rat aller Wesen

Überblick

Der Rat aller Wesen ist ein kraftvolles Werkzeug für Umweltbildung, persönliche Transformation und Gemeinschaftsbildung. Er hilft Menschen, ihre Verbundenheit mit der Natur zu erkennen, und fördert ein Verantwortungsgefühl gegenüber der Erde und all ihren Bewohner*innen. Indem Perspektiven nicht-menschlicher Wesen eingenommen werden, gewinnen Teilnehmende eine tiefere Wertschätzung für die vielfältigen Lebensformen, mit denen wir den Planeten teilen, und arbeiten auf ein nachhaltigeres, harmonischeres Zusammenleben hin. Ziel der Aktivität ist es, Empathie und ökologische Achtsamkeit zu entwickeln, indem man in die Perspektiven anderer Lebewesen schlüpft. Anthropozentrisches Denken – der Mensch als getrennt und überlegen – wird hinterfragt. Stattdessen wird eine vernetzte Sicht auf das Leben gestärkt sowie Verantwortung und Fürsorge für alle Wesen und Ökosysteme gefördert. Diese Aktivität ist eine Adaption von Joanna Macys „Council of All Beings“. Weitere Informationen finden Sie im Quellenabschnitt.

Lehrplanbezug

Sprache & Literatur, Naturwissenschaften, Bewegung und Gesundheit, Fächerübergreifende & Globale Kompetenzen

Aufgebaute Kompetenzen

Demut, Perspektivwechsel, Selbstreflexion

Kompetenzen/Aktivitäten, die die Lehrperson zuerst üben sollte:

Schritte in dieser Aktivität

  1. Individuelle Reflexion
  2. Erproben
  3. Kollektive Reflexion 

Schritt 1: Individuelle Reflexion

  1. Laden Sie die Lernenden zur „Versammlung aller Wesen“ ein. Erklären Sie, dass das Ziel ist, unterschiedlichen mehr-als-menschlichen Lebensformen eine Stimme zu geben.
  2. Geben Sie Zeit, um zu überlegen, welche Lebensform im Rat vertreten sein soll: ein Tier, ein Moor, ein Fluss, eine Pflanze oder jede andere natürliche Entität, die sie anspricht. Die Lebensform darf auch spontan „auftauchen“ – oft ist die erste Eingebung passend.
  3. Nachdem die Lernenden eine Lebensform gewählt haben, geben Sie Zeit, sie zu verkörpern: gehen, sich bewegen oder sprechen wie dieses Wesen. Reflektieren Sie auch über das Erleben des Wesens und seine Beziehung zur Umwelt: Wie ist dieses Wesen von menschlichem Handeln und den Auswirkungen des Klimawandels betroffen?
  4. Optional: Masken oder einfache Kostüme gestalten, um das Verkörpern im Rat zu unterstützen.

Schritt 2: Erproben

  1. Bilden Sie den „Rat aller Wesen“. Eröffnen Sie die Versammlung, indem Sie alle vertretenen Lebensformen willkommen heißen. Nach Joanna Macy kann der Rat durch das Rufen der Wesen der drei Zeiten und/oder das Würdigen der vier Himmelsrichtungen eröffnet werden. Mit jüngeren Lernenden kann ein Gedicht zu Beginn gelesen werden.
  2. Jede*r Lernende verkörpert die gewählte Lebensform und spricht in deren Namen und aus deren Perspektive: Freuden, Sorgen, Sicht auf den Zustand der Welt und ökologische Herausforderungen.
  3. Wer nicht spricht, hört aufmerksam und respektvoll zu. Verständnis und Empathie für die Erfahrungen der anderen Wesen sind ausdrücklich willkommen.

Schritt 3: Kollektive Reflexion

  1. Nachdem alle gesprochen haben, legen die Lernenden ihre Masken (sinngemäß oder konkret) ab und äußern Gefühle und Anliegen aus menschlicher Perspektive. So können Einsichten geteilt und die eigene Rolle im ökologischen Netz reflektiert werden.
  2. Ermutigen Sie dazu, Gedanken mehrmals zu teilen und einen Dialog über für die Gruppe relevante Themen zu führen.  

Was tun – was vermeiden?

Tun

  • Sprechgegenstand nutzen: Ein bedeutsamer Gegenstand (z. B. Stein oder Stock) zeigt an, wer das Wort hat – das fördert Fokus und respektvolles Teilen.
  • Alle Ausdrucksformen willkommen heißen: Masken, Kostüme oder andere kreative Darstellungen – wichtig sind Respekt vor Wesen und Raum, nicht Perfektion.
  • Besondere Atmosphäre schaffen: Eine ruhige, konzentrierte Stimmung unterstützen – z. B. mit Naturmaterialien, Kerzen, einem Mandala oder Symbolen der vier Himmelsrichtungen.

Vermeiden

  • Ausdrucksweisen nicht bewerten: Keine Kritik daran, wie jemand das gewählte Wesen verkörpert oder darstellt. Alle kreativen Versuche sind gültig und verdienen Anerkennung.
  • Teilnahme nicht erzwingen: Lernende wählen ihr Maß an Beteiligung selbst. Wer sich unwohl fühlt, wird nicht gedrängt.

Anpassungen

Verknüpfbar mit 2.3 Verbindung mit dem Tier und Aktivität 2.4.5 Naturbasierte Kunst.

Wir laden Sie stets ein, diese Aktivität an die Bedürfnisse Ihrer Lernenden anzupassen, einschließlich unter Berücksichtigung ihrer Neurodiversität. Beim Anpassen von Tools und Aktivitäten für neurodivergente Lernende gilt: Es geht nicht darum, andere so zu behandeln, wie Sie behandelt werden möchten, sondern so, wie sie behandelt werden möchten. Fragen, zuhören und offen bleiben für unterschiedliche Wege des Lernens und der Beteiligung.  

Quellen

Joanna Macy’s “Council of all beings” in “Coming Back to Life: Practices to Reconnect Our Lives, Our World” (1998). https://workthatreconnects.org/resources/council-of-all-beings/

Inspiration für Kostüme oder Masken finden Sie hier.

A learner in nature, holding a crown of leaves on her head. Photo by Tetiana Byts.

Allgemeine Informationen

  • Altersgruppe: 12+
  • Dauer: Ein oder zwei Unterrichtseinheiten (ca. 45-90 Minuten), Längere Projekte
  • Gruppengröße:

  • Schwierigkeitsgrad: Medium

  • Material/Raum: Bastel- und Kreativmaterial; natürliche Materialien wie Blätter, Zweige, Zapfen usw.
  • Ort: Beliebig

  • Einbindung externer Stakeholder: Nicht zwingend.