Überblick

In dieser Aktivität hören die Lernenden Lebensgeschichten, die von Indigenen selbst erzählt werden. Das können Berichte über alltägliche Praktiken der Fürsorge für die Erde sein, historische Erzählungen oder Geschichten, die spirituelle Vorstellungen bzw. Naturrituale vorstellen. Es ist entscheidend, direkt Erzählungen von Indigenen (Audio/Video) zu teilen. Hinweise auf entsprechende Quellen finden sich unten im Abschnitt Ressourcen.

Lehrplanbezug

Naturwissenschaften, Geschichte, Geografie, Politische Bildung & Sozialkunde, Fächerübergreifende & Globale Kompetenzen

Aufgebaute Kompetenzen

Demut, Perspektivwechsel, Selbstreflexion

Vorbereitung

  • Lesen Sie zu lokalen Indigenen Völkern (falls vorhanden), zu Umwelt-Rassismus sowie Autor*innen dekolonialer Studien (siehe Quellen), um eigene Vorstellungen, Annahmen und Vorurteile zu erkennen.
  • Wählen Sie eine Erzählung (oder einen Film) aus, die/das von einer Indigenen Person oder Gemeinschaft erzählt bzw. in enger Zusammenarbeit mit ihr entstanden ist und zu Ihrem Kontext bzw. Ihren Fragestellungen passt.

Kompetenzen/Aktivitäten, die die Lehrperson zuerst üben sollte:

Schritte in dieser Aktivität

  1. Einführung
  2. Zuhören
  3. Dialog

Schritt 1: Einführung

  1. Stellen Sie drei Kernpunkte heraus:
    • (1) Über 80 % der weltweiten Biodiversität liegt auf Gebieten, die von Indigenen Völkern betreut/bewahrt werden – viele von ihnen verfügen daher über wertvolles Wissen zur Erd-Fürsorge.
    • (2) Indigene Menschen sind vielfältig; sie leben heute in urbanen wie ländlichen Räumen sehr unterschiedliche Lebensrealitäten.
    • (3) Die meisten Indigenen Völker wurden über Jahrhunderte in unterschiedlicher Weise unterdrückt – diese Geschichte zu beleuchten ist zentral, um ihre Erzählungen besser zu verstehen.
  2. Führen Sie in die ausgewählte Erzählung/den Film ein: Beschreiben Sie das betreffende Ökosystem (Fauna/Flora, Topografie – Gebirge, Flüsse, Meer) und zeigen Sie ggf. Bilder von Siedlungen/Bauten, sofern diese nicht in der Erzählung vorkommen. So werden sowohl das Herkunftsökosystem des Wissens als auch heutige Lebensrealitäten sichtbar. Je nach Alter können Sie zudem auf Unterdrückungsgeschichte und aktuelle politische Auseinandersetzungen des jeweiligen Indigenen Volkes eingehen.
  3. Betonen Sie, dass es ums Zuhören geht – auch wenn Inhalte ungewohnt sind oder neue Konzepte einführen. Hören Sie neugierig und offen zu; für Fragen ist anschließend Zeit. Weisen Sie darauf hin, dass kritische oder unangenehme Gefühle Raum haben werden. Bei belastenden Emotionen während der Aufnahme können tiefe Atemzüge oder kurze Bewegungsübungen (1.3) helfen; diese Gefühle werden nach dem Zuhören aufgegriffen. 

Schritt 2: Zuhören

  1. Spielen Sie die Aufzeichnung/den Film ab. Es ist entscheidend, Materialien zu verwenden, die von Indigenen erstellt wurden bzw. in enger Kooperation mit ihnen entstanden sind (siehe Ressourcen).
  2. Bitten Sie die Lernenden, währenddessen aufkommende Fragen zu notieren, um den Kopf freizumachen und weiter tief zuhören zu können. 
Learners in a Norwegian classroom, watching a recording from the Sámi people. Photo: Marte Maurabakken/Climate Creativity.
Schüler in einem norwegischen Klassenzimmer sehen sich eine Aufnahme der Sámi an. Foto: Marte Maurabakken/Climate Creativity.

Schritt 3: Dialog

  1. Beginnen Sie mit einer Gefühlsrunde: Welche Emotionen sind beim Zuhören/Anschauen aufgetaucht? Falls hilfreich, schlagen Sie eine kurze Bewegungsübung für die Gruppe vor (1.3).
  2. Sammeln Sie Fragen zu allen Aspekten der Erzählung. Bei Kommentaren regen Sie an, diese in Fragen zu überführen, um gemeinsam zu vertiefen.
  3. Bieten Sie Reflexionsimpulse zu Themen/Fragen aus der Erzählung:
    1. Was hat überrascht?
    2. Wurde eine andere Beziehung zur Natur sichtbar?
    3. Wurden andere Beziehungen innerhalb der Indigenen Gemeinschaft wahrgenommen als in der eigenen?
    4. Wurde ein anderer Umgang mit dem Klimawandel erkennbar?
    5. Was möchten die Lernenden weiter erforschen – individuell oder als Gruppe? 

Was tun – was vermeiden?

Tun

  • Bereiten Sie sich gründlich zu Indigenen Völkern im Allgemeinen und zur Gemeinschaft der erzählenden Person vor.
  • Hinterfragen Sie eigene Annahmen und Verzerrungen im Vorfeld.

Vermeiden

Vermeiden Sie die Annahme, durch etwas Recherche bereits „viel“ über Indigene Völker zu wissen. Anerkennen Sie, dass Ihnen vieles – auch in verkörperter Hinsicht – unbekannt sein kann, und nehmen Sie diese Haltung auch in der Beantwortung von Fragen ein.

Anpassungen

Wir laden Sie stets ein, diese Aktivität an die Bedürfnisse Ihrer Lernenden anzupassen, einschließlich unter Berücksichtigung ihrer Neurodiversität. Beim Anpassen von Tools und Aktivitäten für neurodivergente Lernende gilt: Es geht nicht darum, andere so zu behandeln, wie Sie behandelt werden möchten, sondern so, wie sie behandelt werden möchten. Fragen, zuhören und offen bleiben für unterschiedliche Wege des Lernens und der Beteiligung.  

Ressourcen

Für Kinder: 

Eine kuratierte Auswahl indigener Animationsfilme mit Kurzinhalt und Altersempfehlung: https://www.nfb.ca/channels/indigenous-made-animation-films/

Playlist für 9–11-Jährige: https://www.nfb.ca/playlist/indigenous-cinema-classroom-ages-611/#6

Playlist für 12–14-Jährige: https://www.nfb.ca/playlist/unikkausivut-sharing-our-stories/

Weitere Animations- und Dokumentarfilme: https://firstnationspedagogy.ca/storytelling.html

Vorschläge: The flight of the hummingbird  (6-10 Jahre) / Three thousand (12-18 Jahre)

Für ältere Lernende: 

Weitere Animations- und Dokumentarfilme: https://firstnationspedagogy.ca/storytelling.html

Indigenous Stories Playlist: https://www.youtube.com/playlist?list=PLyBdAUI4LX9jeCbaI0PkxNuoYGPBLo_Sj

Vorschlag:  Four faces of the moon 

2 Videos über die Sámi

Zwei gut ergänzende Videos: Im ersten berichtet eine 83-jährige Sámi-Frau über Rentierhaltungstraditionen; im zweiten spricht eine junge Sámi-Frau über aktuelle Herausforderungen. (YouTube-Automatikuntertitel in die Unterrichtssprache nutzbar.) Geeignet ab ca. 10 Jahren.

Quellen

Aktivität entwickelt von One Resilient Earth. 

Wichtige Referenzen zur Vorbereitung dieser Aktivität: 

Podcasts und Schriften Indigener Wissensträger*innen:

  • Podcast von der Cherokee-Journalistin Rebecca Nagle: There is no Climate Justice without Indigenous Sovereignty
  • Podcast mit Sherri Mitchell, (ihr Name in ihrer Sprache ist: Weh’na Ha’mu Kwasset), Rechtsanwältin für indigene Rechte der Penobscot Nation und Autorin von  Sacred Instructions
  • Schriften und Interviews von Robin Wall Kimmerer, Mutter, Wissenschaftlerin, Professorin und eingeschriebenes Mitglied der Citizen Potawatomi Nation; Autorin von Braiding Sweetgrass: Indigenous Wisdom, Scientific Knowledge and the Teaching of Plants (sehr empfohlen)
  • Sand Talk, Buch von Tyson Yunkaporta, der globale Systeme aus indigener Perspektive betrachtet
Learners in a Norwegian classroom, watching a recording from the Sámi people. Photo: Marte Maurabakken/Climate Creativity.

Allgemeine Informationen

  • Altersgruppe: 6+
  • Dauer: Kurz (weniger als 45 Minuten), Ein oder zwei Unterrichtseinheiten (ca. 45-90 Minuten)
  • Gruppengröße:

  • Schwierigkeitsgrad: Fortschrittlich

bei der Auseinandersetzung mit Indigenen Völkern bzw. ihren Erzählungen/ihren künstlerischen Ausdrucksformen sind viele Fragen und Herausforderungen zu berücksichtigen; zahlreiche Verzerrungen und Annahmen müssen reflektiert werden.

  • Material/Raum: Multimedia-Ausstattung zum Anhören/Anschauen der Aufzeichnungen.
  • Ort: Drinnen

  • Einbindung externer Stakeholder: Nicht zwingend.