Aktivität 3.1.2:

Pflanzen eine Stimme geben

Überblick

Jeder Lernende bringt zu einer Gruppendiskussion eine Pflanze oder einen Pilz mit. Die Person kann im Namen der Pflanze/des Pilzes sprechen, als Hüterin der Natur oder als Verteidiger*in des Prinzips der Reziprozität mit der Natur. Diese Aktivität schafft Raum, die Bedürfnisse und Rechte mehr-als-menschlicher Wesen in Bezug auf Alltagsfragen oder Anliegen zu reflektieren, die im Klassenraum bzw. in der Gruppe geäußert werden.

Lehrplanbezug

Naturwissenschaften, Politische Bildung & Sozialkunde, Fächerübergreifende & Globale Kompetenzen „Parlamente der Lernenden“ oder andere Dialogräume, in denen alle Lernenden zusammenkommen, um gruppenbezogene Themen zu besprechen.

Aufgebaute Kompetenzen

Empathie, Exploratives Denken, Denken in Verbundenheit, Perspektivwechsel

Vorbereitung

Recherche zu lokalen Pflanzen und gängigen Zimmerpflanzen. 

Schritte in dieser Aktivität

  1. Recherche
  2. Erfahrung
  3. Reflexion

Schritt 1: Recherche

  1. Vorbereitung als Hausaufgabe: Bitten Sie die Lernenden, eine Pflanze oder einen Pilz zu wählen, den/die sie mögen und für den/die sie in der Runde sprechen möchten. Ideal ist eine lebende Topfpflanze, die sich leicht mitbringen lässt. Alternativ kann ein Foto bzw. eine Abbildung einer lebenden Pflanze genutzt werden.
  2. Bitten Sie die Lernenden, zu recherchieren, welche Bedingungen diese spezifische Pflanze/dieser Pilz zum Gedeihen braucht.
    • Bei jüngeren Lernenden kann dies ein Gespräch mit den Eltern erfordern.
    • Ältere Lernende können zusätzlich recherchieren, welche Bedürfnisse der Pflanze in der Natur aufgrund von Umweltverschmutzung, Biodiversitätsverlust oder Klimawandel ggf. nicht mehr erfüllt werden.

Schritt 2: Erfahrung

  1. Ankommen im Kreis: In der Schule sitzen die Lernenden in einem Kreis; ihre Pflanzen/Pilze bzw. Bilder liegen/stehen neben ihnen, sodass die Pflanzen/Pilze Teil des Kreises sind.
  2. Führen Sie eine Vorstellungsrunde durch: Name/Art der Pflanze/des Pilzes, Herkunft und in ein paar Sätzen, was sie/er zum Gedeihen braucht.
  3. Einbindung in bestehende Foren: Wenn Sie die Aktivität im Rahmen eines regelmäßigen „Parlaments der Lernenden“ durchführen, besprechen Sie aktuelle Themen und laden Sie die Lernenden ein, die Perspektive „ihrer“ Pflanze/„ihres“ Pilzes dort einzubringen, wo es passt. Falls es schwerfällt, die „Stimmen“ der Pflanzen/Pilze einzubringen, helfen Impulsfragen wie: „Was würde eure Pflanze/euer Pilz dazu sagen?“
  4. Als eigenständige Einheit: Wenn Sie die Aktivität losgelöst durchführen, können „Pflanzen/Pilze und Lernende“ z. B. die Schulpolitik zu Klima/Umwelt diskutieren (z. B. Umgang mit Essen/Lebensmittelabfällen, Schulweg, Pausenhofgestaltung …) und die Sicht der Pflanzen/Pilze sowie Vorschläge für deren Gesundheit und Wohlbefinden einbringen.
Learners and a teacher in a classroom, a learner holds up an infoposter about pumpkins, and the teachers is holding a pumkin. "We give the plants a voice." Photo by Tetiana Byts.
Wir geben den Pflanzen eine Stimme. Foto von Tetiana Byts.

Schritt 3: Reflexion

  1. Bitten Sie die Lernenden, über die Erfahrung zu sprechen, für eine Pflanze/einen Pilz gesprochen zu haben, sowie über neue Ideen aus der Diskussion.
    • Gab es Unerwartetes?
    • Fühlen sie sich motiviert, Bedürfnisse von Pflanzen/Pilzen besser zu verstehen und zu berücksichtigen?
    • Erleben sie nach der Aktivität weniger Getrenntheit und mehr Zugehörigkeit zu ihren Ökosystemen?
  2. Optional – Wiederholung über das Jahr: Wiederholen Sie die Aktivität im Jahresverlauf und/oder zu den Jahreszeitenwechseln, um tiefer in die Bedürfnisse und Lebensweisen von Pflanzen/Pilzen sowie in das Funktionieren des lokalen Ökosystems einzutauchen.

Was tun – was vermeiden?

Tun

  • Ermutigen Sie die Lernenden, für „ihre“ Pflanze zu sprechen – modellieren Sie die Aufgabe, indem Sie selbst eine Pflanze mit in den Kreis bringen.
  • Ermuntern Sie die Lernenden, Ihnen zu ihrer Pflanze/ihrem Pilz jederzeit Fragen zu stellen – vor ihrem Beitrag, währenddessen oder im Anschluss –, um Bedürfnisse zu klären.
  • Beantworten Sie – wenn möglich – Fragen zu Pflanzen/Pilzen direkt, sodass alle zugleich über Pflanzenbedürfnisse und Ökosystemzusammenhänge lernen.

Vermeiden

  • Vermeiden Sie, die Diskussion zu unterbrechen, um währenddessen eine falsche Aussage zu den Pflanzenbedürfnissen zu korrigieren. Korrigieren Sie Missverständnisse gebündelt nach der Diskussion.

Anpassungen

Wir laden Sie stets ein, diese Aktivität an die Bedürfnisse Ihrer Lernenden anzupassen, einschließlich unter Berücksichtigung ihrer Neurodiversität. Beim Anpassen von Tools und Aktivitäten für neurodivergente Lernende gilt: Es geht nicht darum, andere so zu behandeln, wie Sie behandelt werden möchten, sondern so, wie sie behandelt werden möchten. Fragen, zuhören und offen bleiben für unterschiedliche Wege des Lernens und der Beteiligung.  

Quellen

Diese Aktivität wurde von One Resilient Earth entwickelt. 

Han, Ke-Tsung. “Influence of passive versus active interaction with indoor plants on the restoration, behaviour and knowledge of students at a junior high school in Taiwan.” Indoor and Built Environment 27.6 (2018): 818-830.

Jones, V., MacLeod, C. Why Children Need to Read About Plants at a Time of Climate Change. Children’s Literature in Education 55, 416–431 (2024). https://doi.org/10.1007/s10583-022-09511-x 

Morón, Carlos, et al. “THE IMPLEMENTATION OF THE ETHICS OF CARE IN PRIMARY EDUCATION: A PROPOSAL THROUGH PLANTS.” ICERI2020 Proceedings. IATED, 2020.

Radliff, Charlotte. “Teacher Perspectives on the Effect Caring for Classroom Plants has on Adolescents.” (2020)

Learners and a teacher in a classroom, a learner holds up an infoposter about pumpkins, and the teachers is holding a pumkin. "We give the plants a voice." Photo by Tetiana Byts.

Allgemeine Informationen

  • Altersgruppe: 6+
  • Dauer: Ein oder zwei Unterrichtseinheiten (ca. 45-90 Minuten)
  • Gruppengröße:

  • Schwierigkeitsgrad: Grundlegend

  • Material/Raum: Eeinige lebende Pflanzen oder Abbildungen/Fotos von Pflanzen.
  • Ort: Beliebig

  • Einbindung externer Stakeholder: Nicht zwingend.