Vorbereitung
- Lesen Sie zur Einordnung vorab den entsprechenden Abschnitt im Handbuch für Lehrkräfte.
Kompetenzen/Aktivitäten, die die Lehrperson zuerst üben sollte:
- Tiefes Zuhören mit anderen (Aktivität 3.3.2) praktizieren.
Stufe in der aktivität
- Probieren Sie es selbst aus
- Führen Sie eine andere Person durch denselben Prozess
- Führen Sie das Tool in einer Gruppe ein
Stufe 1: Probieren Sie es selbst aus
- Entscheiden Sie, wie Sie Ihre „innere Stille“ erreichen.
- Prüfen Sie Ihre Routinen (z. B. Yoga, Meditation, Bewegung), um eine Aktivität zu finden, die Sie zuverlässig in Ihre innere Stille führt.
- Alternativ können Sie die in den Fortbildungsmaterialien enthaltene Anleitung „In die innere Stille eintreten“ nutzen.
- Formulieren Sie eine Frage an sich selbst: etwas, das Sie sich „schon lange fragen“ oder „worüber Sie schlafen“ wollten. Schreiben Sie die Frage auf und überarbeiten Sie sie, bis sie wirklich mit Ihnen resoniert.
- Nutzen Sie Ihre Methode, um in die innere Stille zu gelangen. Dann geben Sie Ihre Frage in die Stille.
- Lassen Sie Antworten ohne innere Zensur auftauchen. Sie könnten Worte oder Klänge „hören“ oder Bilder sehen – statisch oder bewegt. Hören Sie ohne zu urteilen, aber mit Unterscheidungsvermögen. Intuitives Wissen klingt nie aggressiv und oft überraschend (nach Warren Ziegler, siehe Quellen).
- Unterbrechen Sie den Prozess bei Bedarf, um Notizen oder Skizzen anzufertigen. Sie können später dort fortfahren, wo Sie aufgehört haben.
- Stellen Sie sich auch neue Fragen, z. B. zur Klärung der aufkommenden Antworten.
- Bewerten Sie die Erfahrung. Haben Sie etwas Nützliches/Interessantes gelernt? War es leicht oder schwierig? Der Nutzen zeigt sich ggf. nicht sofort – u. a. hängt er von der Formulierung der Frage ab. Mit Übung wird die Wirkung oft deutlicher.
Stufe 2: Führen Sie eine andere Person durch den Prozess
- Wenn Sie sich sicher fühlen, eine andere Person anzuleiten, verwenden Sie dieselben Schritte wie in Level 1.
- Zu Schritt 3: Sie können (oder auf Wunsch der Person) den Text „In die innere Stille eintreten“ als geführte Visualisierung vorlesen.
- Zu Schritt 7: Bitten Sie die Person, ihre Erfahrung zu schildern. Klären Sie, dass nicht die Frage oder die Inhalte der Antworten offengelegt werden müssen (kann, muss aber nicht), sondern die Qualität der Erfahrung und Verbesserungsvorschläge.
Stufe 3: Führen Sie das Tool in einer Gruppe ein
- Erläutern Sie die Grundprinzipien des Tiefen Zuhörens als Zugang zu innerem/implizitem Wissen bzw. Intuition. Führen Sie die fünf Modi des Tiefen Zuhörens ein:
- Still sein: In keiner Weise auf die sprechende Person reagieren – weder verbal noch mit Körpersprache. Blick abwenden. Kein Blickkontakt.
- Aufmerksamkeit schenken: Die volle Aufmerksamkeit auf das Gesagte richten – alles andere ausblenden.
- Empathisch sein: In die Geschichte eintreten und sie – soweit stimmig – mitfühlen. Zugleich bewusst bleiben: Es ist ihre Geschichte. Bei Belastung sichere Distanz wahren (z. B. Atmung, Bewegung, eigene Emotionsregulation).
- Nicht werten: Besonders herausfordernd, wenn Werte/Ideen/Intentionen den eigenen widersprechen.
- Leer werden: Das Gegenwärtige „parken“: Sehnsüchte, Wissen, Erfahrungen, Hoffnungen, Träume, Probleme, Visionen.
- Moderieren Sie einen Dialog in 2er- oder 3er-Gruppen. Bitten Sie die Gruppen, zunächst zu reflektieren und dann zu Antworten auf zwei Fragen überzugehen:
- Frage 1. Woran erkennen Sie transformative Momente – diese „Aha!“-Augenblicke? Gibt es ein bestimmtes Körpergefühl, eine innere Stimme, ein unerwartetes Bild?
- Frage 2. Unter welchen Umständen traten diese Signale auf? Gab es besondere Umgebungen (Wald, Meer, Konzert, Kontakt mit kleinen Kindern …) oder Beziehungs-Momente, in denen sich die Verbindung plötzlich anders anfühlte? Erinnern Sie sich an Momente überschäumender Freude oder akuter Gefahr, in denen alles klarer – und anders – wurde?
- Laden Sie die Teilnehmenden ein, eine eigene Frage aus dem Dialog in Schritt 1 abzuleiten. Z. B.: „Wann hatte ich Kontakt zu meiner inneren Wissensquelle? Habe ich hingehört oder die Botschaft vorbeiziehen lassen? Wie fühlte es sich an? Was habe ich gehört oder gesehen?“
- Aufforderung zum inneren Zuhören: Bitten Sie die Lernenden, in der inneren Stille auf Antworten zu lauschen. Falls nach der Dauer gefragt wird: ca. 10 Minuten. Ermutigen Sie, geschehen zu lassen, was geschieht – Bilder, Worte, Klänge … oder nichts. Alles ist in Ordnung, ohne Bewertung. Notizen jederzeit erlaubt; danach wieder in die Ruhe gehen. Nutzen Sie ggf. Ihre bevorzugte Methode, um den Zugang zur inneren Stille zu unterstützen. Die eigene Frage wird in die Stille gegeben.
- Wahren Sie Stille für die Dauer der Übung (8–15 Minuten).
- Achten Sie auf Zeichen des Abschlusses.
- In Paaren oder Trios: Jede Person schildert (je bis zu 3 Minuten) die Kernpunkte ihrer Erfahrung; die Zuhörenden praktizieren Tiefes Zuhören.
Was tun – was vermeiden?
Tun
- Für eine angenehme, störungsfreie Umgebung sorgen.
- Geduld haben: Tiefes Zuhören – bei sich selbst wie bei anderen – ist eine Kompetenz, die mit Übung wächst.
- In Level 3 nur Personen einladen, die sich verbindlich auf das Experiment einlassen.
Vermeiden
- Nicht erwarten, dass sich alle eigenen (oder fremden) Vorannahmen restlos abstellen lassen. Sie tauchen wieder auf – als wertvolle Lerngelegenheiten.
- Keine Erwartungen/Druck auf Teilnehmende projizieren; Hoffnungen nicht zu Leistungsdruck werden lassen.
Anpassungen
Wenn Ihr Publikum neu im Tiefen Zuhören ist, beginnen Sie vorzugsweise mit Tiefes Zuhören mit anderen (Tool 3.3.2), bevor Sie Tiefes Zuhören bei sich selbst einführen.
Wir laden Sie stets ein, diese Aktivität an die Bedürfnisse Ihrer Lernenden anzupassen, einschließlich unter Berücksichtigung ihrer Neurodiversität. Beim Anpassen von Tools und Aktivitäten für neurodivergente Lernende gilt: Es geht nicht darum, andere so zu behandeln, wie Sie behandelt werden möchten, sondern so, wie sie behandelt werden möchten. Fragen, zuhören und offen bleiben für unterschiedliche Wege des Lernens und der Beteiligung.
Quellen
Die Aktivität wurde von Legacy17 entwickelt und basiert auf Deep Listening, einer Schlüsselmethodik des Programms Enspirited Envisioning, entwickelt und gelehrt von Professor Warren Ziegler, ehem. Dozent für Zukunftsstudien an der Syracuse University (USA). Über mehrere Jahrzehnte arbeitete er mit Teilnehmenden aus öffentlichem Sektor, Hochschulen, Wirtschaft, NGOs und indigenen Gruppen.
Weiterführende Lektüre und detaillierte Anleitungen: https://hostingtransformation.eu/method/30187/
Enspirited Envisioning – a guidebook to the enspiriting approach to the future, Warren Ziegler, 1995

