Überblick

Die Auseinandersetzung mit Kunst oder dem kulturellen Erbe Indigener Völker kann helfen, die Vielfalt der Beziehungen zu sich selbst, zu anderen und zur Natur in unterschiedlichen Indigenen Gemeinschaften besser zu verstehen – und diese mit Fragen von Unterdrückung und Marginalisierung im Zusammenhang mit Kolonisierung und kolonialen Kontinuitäten zu verknüpfen.

Lehrplanbezug

Naturwissenschaften, Geschichte, Geografie, Fächerübergreifende & Globale Kompetenzen

Aufgebaute Kompetenzen

Demut, Perspektivwechsel, Selbstreflexion

Vorbereitung

  • Wählen Sie ein Kunstwerk aus, das eine Geschichte über die Beziehung zwischen Indigenen und Nicht-Indigenen Menschen erzählt. Besonders für die Kurzvariante eignet sich zeitgenössische Indigene Kunst.
  • Eignen Sie sich – soweit relevant – Wissen über die dahinterstehende Kosmologie bzw. das Weltverständnis an.
  • Informieren Sie sich über Prinzipien und Praktiken der freien, vorherigen und informierten Zustimmung (Free, Prior and Informed Consent – FPIC; siehe Quellen).
  • Falls Sie ein Museum besuchen, recherchieren Sie die Provenienz der Indigenen Objekte und Kunstformen sowie Maßnahmen, die das Museum ggf. zur Rückgabe an die Herkunftsgemeinschaft ergreift.

Kompetenzen/Aktivitäten, die die Lehrperson zuerst üben sollte:

Schritte in dieser Aktivität

  1. Kunst als Spiegel
  2. Geschichte erkunden
  3. Geschichte recherchieren

Schritt 1: Kunst als Spiegel

  1. Stellen Sie ein Kunstwerk einer zeitgenössischen Indigenen kunstschaffenden Person vor, das die Beziehung zwischen Indigenen Gemeinschaften und der nicht-Indigenen Gesellschaft thematisiert.
  2. Ermutigen Sie die Lernenden, die beim Betrachten entstandenen Ideen und/oder Gefühle zu äußern: Was hat das Werk ausgelöst? Welche Fragen tauchen auf? Was möchten sie dazu wissen? Diese Phase kann in Kleingruppen erfolgen, die ihre Gedanken anschließend im Plenum teilen.
  3. Stellen Sie die/den Künstler*in, die Intention und den Entstehungsprozess des Werks vor. Ergänzen Sie bei Bedarf Aspekte, die aufgeworfene Fragen der Lernenden erhellen.
  4. Laden Sie zu einer zweiten Runde mit Reflexionen und Fragen ein – wahlweise individuell oder in Gruppen (abwechselnd zur ersten Runde). Notieren Sie während der Diskussion zentrale Themen und Muster.
  5. Bieten Sie den Lernenden an, zu reflektieren, wie ihre Überlegungen unterschiedliche Weisen des In-Beziehung-Seins mit sich selbst, mit anderen und mit der Natur – in Indigenen und nicht-Indigenen Kontexten – sichtbar machen.
  6. Öffnen Sie die Reflexion für förderliche Bedingungen, die solche Beziehungsweisen ermöglichen. Verknüpfen Sie dies mit kultureller Vielfalt in Bezug auf Biodiversität: Die artenreichsten Regionen sind oft auch kulturell am vielfältigsten. 
Lernende nahmen an einer Exkursion ins Ethnografische Museum Budapest teil, um Yanomami. Spirits. Survivors., eine eindrucksvolle Fotoausstellung von Claudia Andujar, zu erkunden. Foto: Carmelo Zamora, REAL School Budapest

Schritt 2: Geschichte erkunden

  1. Aufbauend auf dem ersten Werk betrachten Sie das Œuvre der/des Kunstschaffenden und die Geschichte ihrer/seiner Gemeinschaft im Kontext.
  2. Alternativ: Besuchen Sie ein Museum zu Indigener Kunst, Artefakten und Lebensweisen und fokussieren Sie ein konkretes Werk/Artefakt oder eine Gemeinschaft, um deren Geschichte im Kontext zu erkunden. Die Auswahl kann danach erfolgen, welche Beziehungsweise zu sich selbst, zu anderen und zur Natur das Stück symbolisiert – insbesondere, wenn diese sich von gängigen Mustern in der Mehrheitsgesellschaft unterscheidet.
    1. Klären Sie im Museum die Erwerbsumstände und welche Rückgabemaßnahmen ggf. umgesetzt werden.
  3. Mögliche Diskussionsfragen (z. B. im Museum):
    1. Welche Beziehungsform symbolisieren Werk/Artefakt?
    2. Worin fühlt sich das anders an?
    3. Was lässt sich daraus im Hinblick auf Klimakrise und/oder Klimaresilienz lernen?
    4. Was bedeutet der Rückgabeprozess des Werks/Artefakts?
    5. Welche weiteren Maßnahmen/Praktiken könnten zur Wiedergutmachung beitragen und tragfähige Beziehungen zwischen Indigenen und Nicht-Indigenen Menschen stärken?
    6. Welche Rolle könnte ein Museum spielen, wenn ein Großteil der Werke/Artefakte zurückgegeben wird?
  4. Geben Sie Raum, die entstehenden Emotionen in Worten, Bewegung oder kreativen Praktiken zu verarbeiten (siehe Tools der Kategorie 1 als Inspiration).

Level 3: Geschichte recherchieren

  1. Bitten Sie Gruppen von Lernenden, die Geschichte eines konkreten Indigenen Volkes zu vertiefen – mit Blick auf:
    1. ihre Kosmologie und Beziehung zu sich selbst, zu anderen und zur Natur – vor bzw. trotz Kolonisierung
    2. Ablauf und Auswirkungen der Kolonisierung auf dieses Volk
    3. die aktuelle Situation dieses Volkes
    4. Maßnahmen zum Schutz ihrer Rechte als Indigene
  2. Sensibilisieren Sie die Gruppen für die Quellenlage und regen Sie an, verschiedene Perspektiven von Forschenden über die Zeit hinweg zu vergleichen.
  3. Lassen Sie die Lernenden reflektieren, was sie in Bezug auf den Aufbau von Klimaresilienz im Kontext der breiteren ökologischen Krise gelernt haben. 

Was tun – was vermeiden?

Tun

  • Bereiten Sie sich gut vor – allgemein zu Indigenen Völkern und insbesondere zu dem Volk, dessen Artefakte betrachtet werden.
  • Hinterfragen und adressieren Sie eigene Annahmen und Verzerrungen im Vorfeld.
  • Gestehen Sie Nicht-Wissen offen ein und weisen Sie darauf hin, dass bestimmte Fragen weitere Recherche erfordern können.

Vermeiden

  • Vermeiden Sie die Annahme, nach etwas Recherche bereits „viel“ über Indigene Völker zu wissen. Anerkennen Sie, dass es vieles gibt, das Sie weder wissen noch verkörpert wissen – auch bei der Beantwortung von Fragen.
  • Vermeiden Sie es, die Recherche der Lernenden strikt auf Peer-Review-Artikel zu begrenzen; öffnen Sie stattdessen eine Diskussion darüber, wie bei neuen Themen oder verzerrungsanfälligen Feldern Quellen breiter gewählt und kritisch kontextualisiert werden können.

Anpassungen

Laden Sie – wenn möglich – eine indigene kunstschaffende Person oder eine indigene Fachperson in die Diskussion ein.

Wir laden Sie stets ein, diese Aktivität an die Bedürfnisse Ihrer Lernenden anzupassen, einschließlich unter Berücksichtigung ihrer Neurodiversität. Beim Anpassen von Tools und Aktivitäten für neurodivergente Lernende gilt: Es geht nicht darum, andere so zu behandeln, wie Sie behandelt werden möchten, sondern so, wie sie behandelt werden möchten. Fragen, zuhören und offen bleiben für unterschiedliche Wege des Lernens und der Beteiligung.  

Quellen

Aktivität entwickelt von One Resilient Earth. 

Kunstressourcen indigener Völker:

Wichtige Referenzen zur Vorbereitung dieser Aktivität: 

Zum Vertiefen (Rolle der Künste, Werkbetrachtung, Erfahrungen mit dekolonialen Zukünften) auf der Website von One Resilient Earth website, sowie:

Podcasts und Schriften Indigener Wissensträger*innen:

Allgemeine Informationen

  • Altersgruppe: 12+, 18+
  • Dauer: Ein oder zwei Unterrichtseinheiten (ca. 45-90 Minuten)
  • Gruppengröße:

  • Schwierigkeitsgrad: Fortschrittlich

Bei der Beschäftigung mit Indigenen Völkern und/oder beim Teilen ihrer Gaeschichten bzw. beim Studium ihrer Künste und kulturellen Ausdrucksformen sind zahlreiche Fragen und Herausforderungen zu berücksichtigen; viele Vorannahmen und Verzerrungen sind zu reflektieren.

  • Material/Raum: (Multi-)Medienmaterial, um Kunst oder andere kulturelle Ausdrucksformen einzuführen. Ein Besuch in einem einschlägigen Museum kann wertvoll sein – als Anlass, kritisches Denken und Perspektivübernahme zu fördern.
  • Ort: Beliebig

  • Einbindung externer Stakeholder: Optional

Eine indigene kunstschaffende Person (wenn möglich). Eine Fachperson zur Restitution/Rückgabe Indigener Kunst kann wertvolle Perspektiven einbringen